Die Zukunft des Reisens beginnt am Flughafen

26.02.2018  /  5 Minuten Lesezeit  /  1 Kommentar

Digitale Technologie wird Flughäfen in naher Zukunft grundlegend verändern - zugunsten der "Customer Experience"!

Intelligente IT-Lösungen werden die Airports dieser Welt in naher Zukunft stark verändern: Vernetzte Partner, flexiblere Prozesse, innovative Angebote, sogar eine neue Architektur von Airports sind die Folgen dieses Wandels. Dieser wiederum ist ein Beispiel der viel diskutierten digitalen Transformation.

Was bringt das dem Reisenden? Da sind zunächst ganz konkrete Prozesse. Zum Beispiel der zeitlich und örtlich flexible Check-in für das Gepäck statt Schlangestehen mit dem Koffer, vollautomatisches Valet-Parking statt nervenaufreibender Stellplatzsuche sowie digitale Unterstützung beim Check-in oder der Passkontrolle. Und der Koffertrolley ist kein schnödes Wägelchen mehr, sondern ein digitales Zentrum für Information und Unterhaltung. Das alles sind keine Zukunftsträume, sondern digitale Services, die bereits im Test sind oder in naher Zukunft verwirklicht werden sollen.

Digitale Netze

Auch auf übergeordneter Ebene verändern sich die Strukturen: Automatische Prozesse können etwa bei Verspätungen in Sekundenbruchteilen ganze Flugzeuge umbuchen. Diese Form der „Passenger Recovery“ in Echtzeit ist ohne selbstlernende IT nicht denkbar. Und die Technik vom Flugzeug bis zum Vorfeldfahrzeug wird ebenfalls in die digitalen Netze eingebunden. Das reicht bis zum Datenaustausch einzelner Komponenten mit den Werkstätten, um die Wartung zu optimieren.
Was sich nicht ändert, ist die Rolle des Flughafens als zentrale Schnittstelle für viele Reiseketten. Damit bleibt der Airport einer der wichtigsten Touchpoints für verschiedene Branchen zu ihrem Kunden. Das birgt große wirtschaftliche Chancen – stellt aber auch eine Herausforderung dar. Denn die Reisenden fordern die entsprechende Kundenzentrierung mit ihrem neuen digitalen Komfort ein und verlangen dabei technische Zuverlässigkeit und Sicherheit.

Das Erlebnis zählt

„Das heißt für Airlines und Airports, dass nicht mehr primär die Kosteneffizienz im Wettbewerb entscheidet, sondern die Customer Experience“, betont Guido Haarmann. Der Wirtschaftsingenieur ist seit 2016 Managing Director Airlines Central Europe bei Amadeus. Unter anderem müssten sich Flughäfen noch stärker an Dienstleistung und Handel orientieren, um ihre Erlöse aus dem Non-Aviation-Bereich zu steigern und gleichzeitig das Kundenerlebnis am Flughafen zu optimieren.

Erste Lösungen vorhanden

Amadeus bietet bereits IT-Lösungen, mit denen Airlines ihre Wertschöpfungskette diesen Anforderungen der Zukunft anpassen können. „Der Wandel durch digitale Transformation ist eines der Zukunftsthemen für Airports – und seine Verwirklichung hat längst begonnen“, bekräftigt Guido Haarmann und betont: „Es ist schließlich ein Teil unserer DNA, den Amadeus Kunden einen strukturellen und sicheren Umgang mit Daten zu ermöglichen.“
Das alles funktioniert nur mit einem sicheren und flexiblen Austausch von Daten zwischen Reisenden, Airlines und Behörden, aber auch den Mietern aus Handel, Gastronomie und Dienstleistung sowie dem Flughafen selbst.

Check-in-Schalter in Säulenform

Wie das in der Praxis aussehen kann, erleben Passagiere am Hong Kong International Airport. Der Flughafen hat mit Amadeus die ersten hot-swapping-fähigen, batteriebetriebenen und mobilen Check-in-Schalter realisiert. Diese iCUSS genannten Stationen können von den Passagieren alleine bedient werden.

Mobile Check-in-Stationen

Noch einen Schritt weiter geht das Unternehmen OACIS (Off Airport Check-In Solutions), das gemeinsam mit Amadeus an der Neuerfindung des Check-in-Prozesses arbeitet: Flexible Check-in-Stationen können etwa an Kreuzfahrtschiffen oder Konferenzcentern aufgebaut werden. Hier geben die Reisenden ihr Gepäck auf, das sicher in die Gepäcklogistik des Flughafens integriert wird.

Innovationskultur

Die IT-Lösung hinter der Innovation ist der Amadeus Airport Common Use Service (ACUS). Diese Schnittstelle erlaubt Dienstleistern den sicheren, bedarfsabhängigen Zugang zu den Systemen der Airlines. Künftig wird auch der Flughafen Biarritz die Plattform ACUS einsetzen, um Passagieren beispielsweise schon im Hotel den Check-in zu ermöglichen.
Der starke Fokus auf neue IT-Anwendungen in der Airport-Branche hat zu einer aktiven Innovationskultur geführt. So forderte Fraport-Chef Stefan Schulte zuletzt im Dezember 2017 den verstärkten Einsatz „fortschrittlicher Technik“. Beflügelt wird diese Dynamik durch das Wissen, dass die Flughäfen nur durch solche Lösungen verhindern können, bald an ihre Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Schließlich geht das Airports Council International (ACI) davon aus, dass das weltweite Passagieraufkommen bis 2029 jährlich um mehr als fünf Prozent wachsen wird. Das brächte herkömmliche Strukturen der Abfertigung an ihre Grenzen.

Shoppen statt Schlangestehen

Dieser Wandel bietet allen Beteiligten große Chancen: Für die Passagiere bedeutet die Flexibilisierung positivere Reiseerlebnisse am Airport. Denn wo man keine Wartezeit hat oder nicht die mühsame Orientierung verliert, nutzt man das Angebot von Handel, Gastronomie und Dienstleistung. Das beginnt schon bei der Anreise mit der Navigation zum vorgebuchten Parkplatz und der Wegeführung im Terminal.

Automatische Gesichtserkennung

Es geht weiter mit der Identifikation der Passagiere auf dem Weg zum Flugzeug: Hier könnte die automatische Gesichtserkennung an die Stelle von Ausweis und Bordkarte treten. „Smart Path“ heißt ein entsprechendes Projekt für ein automatisiertes Boarding-Gate, das in Brisbane getestet wird. Der Airport Dubai will ein vergleichbares Verfahren bei der Einreise erproben. Dazu würde der Passagier schon vor dem Start des Flugzeugs eine elektronische Einreisekontrolle absolvieren, zu der der Scan von Ausweis, Iris und Fingerabdrücken gehört – sowie die Gesichtserkennung.

Reisende befürworten neue Technik

Wann und wie solche Lösungen auf breiter Basis angewendet werden, hängt von vielen Faktoren ab. Bei den Reisenden selbst jedenfalls ist die Akzeptanz neuer Technologien sehr hoch. So zeigt die IATA in ihrer Studie „Global Passenger Survey 2017“, dass mehr als 75 Prozent der Passagiere davon ausgehen, dass neue IT-Lösungen ihnen insbesondere beim schnellen Check-in des Gepäcks und der zügigen Passkontrolle helfen werden.

Mehrwerte für Airlines und Mieter

Aber nicht nur den Reisenden, sondern auch seinen direkten Kunden, also den Airlines und Mietern, kann der Flughafen durch den Einsatz innovativer IT Mehrwerte bieten. Das betont die im Auftrag von Amadeus erstellte und im Dezember 2017 veröffentlichte Studie „Strengthening the Airport Value Proposition“ von Frost & Sullivan: Airlines beispielsweise erwarten vom Flughafen einen pünktlichen und effizienten Service mit Kostentransparenz. Dazu gehört nach Angaben der Studie insbesondere, dass neue IT-Lösungen eingesetzt werden, die bei der Integration keinen erheblichen Aufwand bedeuten.

Rechtliche Sicherheit

Eine Herausforderung für die IT ist die technische und organisatorische Datensicherheit beim Umgang mit den erhobenen Informationen und bei ihrer Weitergabe an Partner. „Die rechtliche Sicherheit der Daten muss genauso zuverlässig gemanagt werden wie der sichere und verantwortungsvolle Austausch über die Schnittstellen hinweg“, sagt Guido Haarmann, „und wer den Kunden hier mit einem hohen Sicherheitsniveau überzeugt, wird auch im Geschäft davon profitieren. Denn je mehr Datenpunkte ich sammle und verarbeite, desto größer wird meine Verantwortung für den sicheren Umgang damit.“

Lesetipp

Amadeus Germany Blog Post: „Gesichtserkennung am Airport

1 Kommentar

  1. Clemens | Travellersarchive.de sagt:

    Sehr spannendes Thema. Da kann man sich ja schon darauf freuen, was in den nächsten 10 Jahren so kommen wird.

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