Die Symbiose der Zukunft

09.06.2016  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus Ennen

Amadeus Blog: Vor einigen Wochen habe ich hier beschrieben, wie die Alten und die Jungen, die Analog und die Digital Natives in Symbiose miteinander leben. Das bleibt natürlich nicht so. Machen wir uns bereit für die nächste Stufe der Symbiose: der zwischen Mensch und Maschine.

Nicht ohne Grund nennt man Digital Natives auch „Generation Kopf unten“ – sie bewegen sich durch die Welt, während der Blick fest auf dem Handydisplay ruht. Der italienische Schriftsteller Michele Serra geht noch einen Schritt weiter und zählt seinen Sohn zur Generation der „Liegenden“, die praktisch vollständig auf dem Sofa lebt.

Die ständige Kommunikation mit Menschen aus aller Welt, die unmittelbare Verfügbarkeit von Wissen, Musik und Filmen schaffen einen eigenen Erlebnisraum, die physische Welt schrumpft auf zwei Buchstaben: RL (für „real life“). Selbst Körperhygiene könnte bald über das Smartphone funktionieren – so hat Nivea kürzlich die Geruchs-App „Nose“ vorgestellt, die  prüft, ob das Deo versagt hat.

Im Jahr 2025 sind die Digital Natives in der Überzahl. Auch in unseren Zielgruppen. In ihrem Leben ist der Zweck das Schlüsselwort: Produkte und Marken müssen sich optimal in den mobilen Alltag einfügen und einen starken digitalen Nutzen bieten, um am Markt bestehen zu können. Das hat meine Kollegin Angela Gebertz erst vor wenigen Tagen hier sehr anschaulich beschrieben.

Es entwickelt sich eine Rückkopplung: Die Anforderungen an die digitalen Entwicklungen werden weiter steigen, gleichzeitig werden Entwickler im Wettbewerb miteinander die digitale Latte immer höher legen, was wiederum die Anforderungen hebt. Die Symbiose zwischen Digital Natives und ihrer Technologie definiert sich aber nicht nur über Abhängigkeit, sondern hat Potenzial für die Neugestaltung des Lebens.

Eben weil Digital Natives permanent mit dem Internet verbunden sind und dort alles zur Hand haben, legen sie weniger Wert auf den tatsächlichen Besitz. Wichtiger sind für sie das Teilen von Ideen, Meinungen, Dingen und die Mobilität – die Diskussion um die Sharing Economy steht in meinen Augen erst am Anfang. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit lösen sich immer weiter auf, in vielen Unternehmensbereichen ist die Arbeit bereits zeit- und ortsunabhängig. Die Gemeinschaft wird um das virtuelle Konnektiv bereichert, was schon jetzt unter anderem an Sprachassistenz-Programmen wie „Siri“ erkennbar ist. Kurzfristigkeit bestimmt die Zukunft. Waren-Lieferungen per Drohne, die innerhalb von 30 Minuten beim Empfänger eintreffen, werden bereits von Unternehmen wie der Deutschen Post, Zalando und Amazon getestet.

Wenn ich heute von Schuhen lese, die mir per GPS und Vibrationssignal anzeigen, ob ich in die richtige Richtung laufe, oder vom neuen Cover des „New Yorker“, das mir auf Knopfdruck über die App „Uncovr“ eine virtuelle Tour durch New York ermöglicht, dann finde ich das alles ziemlich verrückt – für die Leute von morgen werden Entwicklungen wie diese Normalität sein.

Kurzum: Wir sind dabei, eine völlig neue Welt zu kreieren, bei der „virtual life“ und „real life“ miteinander verschmelzen. Eines Tages wird es keine analoge Generation mehr geben. Kennen Sie die lustigen Videos, die Kleinkinder bei ihrer ersten Begegnung mit einem rätselhaften Gegenstand namens Wählscheibentelefon zeigen? Diese Videos werden unverständlich, weil niemand mehr da ist, der ein solches Telefon aus eigener Anschauung kennt. Wie die Menschen dann telefonieren, ist noch nicht raus. Vielleicht gibt es dann Videos von Kindern, die ratlos ein Smartphone hin und her drehen.

Was das für die Reisebranche bedeutet – über Datenbrillen und selbstfahrende Autos hinaus –, das lesen Sie in meinem nächsten Blogpost zu Digital Natives.

Über den Autor

Klaus Ennen verantwortet den Bereich Marketing Kommunikation bei Amadeus DACH & Traveltainment. Er jongliert täglich virtuos Informationen zwischen Presse, Amadeus Magazin und Newsletter, Webseite, Community, Blog und weiteren Social Media…
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