Die Macht vernetzter Objekte

07.01.2016  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Dr. Markus Eisel

Amadeus Blog: Der Kühlschrank meldet „Milch alle“, und die Dusche gibt der Kaffeemaschine einen Hinweis, dass gleich Kaffee gebraucht wird – das sind gängige Beispiele für das Internet of Things (IoT). Sein Hauptspielfeld findet das Internet der Dinge allerdings nicht im Haushalt, sondern in der Industrie, und das nicht zu knapp.

Mit Machine-to-Machine-Systemen (M2M) sollen im Jahr 2025 bereits Mehrwerte in Höhe von 3,9 bis elf Billionen US-Dollar entstehen. Die Erwartungen sind gewaltig.

Beispiele für das industrielle IoT gibt es natürlich schon längst. Der Autoreifenhersteller Michelin zum Beispiel hat 2014 die Systemlösung „Effifuel“ in Deutschland eingeführt. Sie soll mehr als drei Millarden Liter Kraftstoff pro Jahr sparen helfen (was neun Millionen Tonnen CO2 entspricht) und der Transportbranche eine zusätzliche Wertschöpfung von 1300 Euro pro Nutzfahrzeug bringen.  Möglich wird das durch Sensoren an den Reifen und einem Telematics-System, das Daten sammelt und in ein intelligentes Reifenmanagementsystem einspeist. „Effifuel“ steht für einen völlig neuen Beratungsservice, der nicht das Produkt „Reifen“, sondern die Optimierung des Kraftstoffverbrauchs in den Vordergrund stellt.

Vorreiter in Sachen IoT ist auch der Landmaschinenhersteller John Deere. Sensorennetze auf den Feldern liefern detaillierte Daten zur Feuchtigkeit und Düngung, im Zusammenspiel mit Wetterdaten wird die optimale Bewässerung errechnet. Bosch Security Technology hat die Fernsteuerung seiner Anlagen über das IoT automatisiert und so den Vor-Ort-Service um 40 Prozent reduziert. Auch Autos werden vernetzt: Im Jahr 2020 sollen 90 Prozent der Fahrzeuge ans Internet angeschlossen sein.

Ja, unsere Zukunft ist das Internet der intelligenten Messgeräte, der Gateways und Maschinen, die Daten sammeln, die wir akkumulieren und analysieren, mit denen wir unsere Prozesse verbessern, unsere Produktivität steigern und völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Noch ist die Gegenwart überschaubar. Nur 0,06 Prozent der vernetzbaren Dinge sind aktuell tatsächlich mit dem Internet verbunden. Das wird sich ändern: Mehr als die Hälfte aller Unternehmen wollen einer Studie von Vodafone zufolge bereits im laufenden Jahr Machine-to-Machine nutzen und damit Prozesse optimieren, beispielsweise den Kundenservice. Bis zum Jahr 2020, da sind sich die Prognosen mehr oder wenig einig, wird es auf der Welt 25 bis 50 Milliarden miteinander verbundene „Devices“ geben. Wobei eine Ölplattform mit ihren 30.000 Sensoren als ein Device gilt.

Und die Reisebranche? Hier sind nach einem Bericht der britischen Zeitschrift „eMarketer“ vor allem Fluggesellschaften und große Hotelketten die Vorreiter. Hotels nutzen das IoT für das Managememt und die Wartung von Heizung, Sicherheits-, Lüftungs- und Klimaanlagen und Aufzügen. Fluggesellschaften sammeln Daten der Flugzeuge, um Treibstoffverbrauch und Wartungszyklen zu optimieren. 86 Prozent der Airlines erwarten innerhalb der kommenden drei Jahre klare Vorteile von Prinzip M2M, hat der Flughafen-Dienstleister SITA Mitte 2015 erfragt. 37 Prozent haben das bereits im Budget berücksichtigt.

Da kommt also was auf uns zu. Damit das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine, die Umsetzung von digitaler Steuerung, Sensorik und Robotik optimal gelingen kann, sind noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören die Standardisierung der Protokolle für die Datenübergabe zwischen Sensoren und Maschinen, Fragen der Datensicherheit und natürlich des Datenschutzes. Die schiere Menge an Daten wird Auswertungen und Verbindungen erlauben, die sich Datenschützer heute noch gar nicht ausmalen.

Wenn diese Hürden jedoch überwunden sind, dann wird sich das IoT auf unzählige Bereiche ausweiten. In Zukunft sind Daten in bisher nicht gekanntem Maße die Grundlage für die Gestaltung und Steuerung von unternehmensbezogenen Prozessen. Um es mit einem Slogan aus der Autoindustrie zu sagen: Das wird das wirkliche Umparken im Kopf.

Über den Autor

Dr. Markus Eisel, Jahrgang 1963, studierte Geophysik in Frankfurt und promovierte 1994 an der FU Berlin. von 1992-1999 arbeitete er am GeoForschungsZentrum in Potsdam, unterbrochen von einem 2-jährigen Forschungsaufenthalt an…
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