Der Schlüssel zur Welt steckt in unserer Hosentasche

19.02.2016  /  5 Minuten Lesezeit
Autor:
Kristian Schuhmacher

Amadeus Blog: Noch gibt es Hürden für das Internet der Dinge – doch wenn die überwunden sind, wird es sich auf unzählige Bereiche des Lebens ausweiten.

Das war das Fazit von Gastautor Dr. Markus Eisel hier im Amadeus Blog. Über Chancen, Nutzen, Risiken und Visionen des Internet of Things sprach die Blog-Redaktion mit Kristian Schuhmacher, der bei Amadeus Germany nicht nur Innovationsprozesse begleitet, sondern auch begeisterter Anwender neuer Gimmicks ist.

Das Internet of Things (IoT) revolutioniert immer mehr Lebensbereiche. Warum begeistert uns das so – welchen Nerv der Zeit trifft es?

Wir sind über unsere mobilen Geräte ständig vernetzt und längst daran gewöhnt, Informationen, Musik, Videos on demand zu bekommen. Wartezeit? Nein, danke. Alles soll natürlich auch sofort funktionieren, und das Smartphone wird zum Multidevice, über das ich auf alles Zugriff habe – der Generalschlüssel zur Welt steckt längst in unserer Hosentasche. Über meinen Cloud-Account etwa kann ich mich an jedem Gerät anmelden, mein Smartphone in die Docking-Station stecken, und schon wird es zum Computer. Über das Internet of Things sprechen unsere Geräte mit Alltagsgegenständen und werden zu einer Art Fernbedienung. So kann ich nicht nur Musik per Fingerdruck hören, sondern auch die Waschmaschine einschalten, dem Rasenroboter sagen, er soll die Schnitthöhe heute auf 0,8 Zentimeter ändern, oder auf meine Mediathek zugreifen, indem mein Smartphone sich mit dem Fernseher austauscht. Jederzeit und von jedem Ort der Welt aus. Mit einem zentralen Profil.

Bringt uns das echten Nutzen?

Erst einmal bringt es Komfort, außerdem spart es Zeit und Kosten. Wenn ich ein biometrisches Passwort habe, kann ich mich per Daumenabdruck einloggen oder per Augenscan durch die Passkontrolle laufen. Wenn mein Smart Home weiß, wann ich zuhause bin und wann nicht, kann es Energie sparen, indem die Heizung entsprechend geregelt wird und warmes Wasser nur dann zur Verfügung steht, wenn ich es brauche. Wenn das Fitnessarmband den Blutdruck kontrolliert oder mir sagt, ob ich mich zu wenig bewegt habe, mehr Schlaf brauche oder die Matratze nicht zu mir passt, kann das meine Gesundheit fördern. Und es gibt sicher gigantische Möglichkeiten für ältere Menschen, die bedienerfreundliche Unterstützung erhalten.

Was nutzt Du bereits im privaten Bereich?

Ich kann meine Heizung mit meinem Handy steuern, so ein bisschen ist mein Zuhause also schon ein Smart Home. Mein System kennt meine Urlaubszeiten, die im Kalender eingetragen sind, und regelt beispielsweise die Temperatur im Haus entsprechend. Ich habe mir sechs „Philips Hue“-Leuchten angeschafft, die gar nicht mehr so teuer sind, so dass ich das Licht ebenfalls mit dem Smartphone regeln kann. Meine Musikanlage ist mit meiner Cloud vernetzt, ich kann von überall aus auf meine Lieblingstitel zugreifen.

Was funktioniert noch nicht – auf was wartest Du sehnsüchtig?

Es ist noch nicht alles integriert und miteinander verbunden, die Geräte sind noch nicht klein genug, die Akkus brauchen noch mehr Leistungsstärke. Es fehlt noch so etwas wie ein weltweiter ISO-Standard, damit alle Geräte auf der gleichen Basis miteinander kommunizieren können. Und natürlich sind auch die Kosten für viele Gimmicks noch zu hoch. Ich bin viel unterwegs – es wäre schon praktisch, wenn mein Kühlschrank erkennen würde, dass ich nur noch eine Packung Milch habe und mich zumindest daran erinnern könnte, dass ich auf dem Heimweg am Autoschalter noch schnell das einkaufe, was ich brauche. Ich mache auch gerne Dinge gleichzeitig – solange zuhause das Nudelwasser kocht, könnte ich ein Spiel weiterspielen, das mir holografisch im Raum gezeigt wird. Oder unterwegs im Hotelzimmer mit meiner Familie sprechen, die dreidimensional an der Wand erscheint. Ich bin auch gespannt auf meinen künftigen „Digital Personal Assistent“, der mich beispielsweise daran erinnert, heute besser einen Regenschirm einzustecken.

Siehst du auch Gefahren?

Klar, ich könnte einfach faul werden und auch meine Kontakte zu anderen Menschen einschränken, auf die ich dann weniger angewiesen bin, weil das IoT mir viele Dinge abnimmt. Das Risiko, dass meine Daten gehackt und missbraucht werden, lässt sich nicht leugnen. Vor allem, wenn wir dann nur noch ein zentrales Profil haben.

Bei Amadeus hast du dich mit dem Internet of Things auf Reisen beschäftigt und einen Tag im Leben eines Smart Travellers in einer vernetzten Welt skizziert. Nennen wir ihn Patrick. Patrick geht auf eine Geschäftsreise von London nach Frankfurt. Wie sieht sein Tag aus?

Patrick weiß abends noch nicht, wann genau er morgens geweckt wird. Das regelt sein Smart Home für ihn, das in seinen Kalender schaut und auch die aktuellen Verkehrsmeldungen oder Flugplanänderungen und auch seine Gehzeit zur U-Bahn kennt (er fährt nicht gerne Bus). Als der Wecker klingelt, ist das Badezimmer vorgeheizt und ausreichend warmes Wasser steht zur Verfügung.

0614 District Line Train von Blackfriars fällt aus, sein Smartphone navigiert ihn zum Gleis des alternativen Zugs der Londoner Tube. Er zahlt kontaktlos mit seinem Handy. Am Flughafen erhält sein Gepäck einen elektronischen „Baggage Tag“ mit NFC Receiver. Dank der installierten Bluetooth Beacons passiert er zügig alle Kontrollen. Im Flugzeug schaltet sein Smartphone in den Flugmodus und gibt der Airline sein Roaming Profile frei, sodass er freien Zugang zu seinen Dokumenten, Videos etc. hat.

In Frankfurt gelandet, wird Patrick benachrichtigt, sobald sein Koffer abholbereit auf dem Band liegt. Sein Taxi mit der passenden Wagenklasse ist bereits auf dem Weg, und er wird selbstverständlich durch den Flughafen genau dorthin gelotst. Dann ist Zeit für seinen Geschäftstermin: Patricks Präsentation baut sich bereits auf dem Screen im Besprechungsraum auf, während er noch am Empfang steht, kurz darauf werden die virtuellen Teilnehmer mit Hologrammen per Video-Konferenz zugeschaltet. Gesprächsnotizen werden automatisiert erfasst.

Später im Hotel öffnet Patrick die Tür mit seinem Smartphone. Zimmertemperatur und Licht entsprechen seinen Präferenzen, und er schaut seine „Breaking-Bad“-Folge weiter von der Stelle aus, an der er gestern abgeschaltet hat …

Du bist bei Amadeus einer der „Innovation Buddies“, begleitest also Innovationsprozesse. Gehen Dir die aktuellen Entwicklungen schnell genug?

Natürlich nicht! Jede Idee wird auf Herz und Nieren geprüft, nur ein Teil kann wirklich in die Umsetzung gehen. Aber es gibt auch schon mehr, als vielen bewusst ist, Koffertracking via Amadeus Airport Services etwa. Die übergreifende Amadeus Plattform ermöglicht, dass sich Systeme austauschen können – zum Beispiel der Flughafen mit Bodendienstleistern. Amadeus testet Anwendungen für Smart Watches im Innovation Team und hat den „connected traveller“ im Visier – mein Leben kommt mit mir, auch auf Reisen. Wenn man sich das bewusst macht, kommen einem ständig Ideen in den Sinn. Reisen in fünf, zehn oder 20 Jahren … ich bin echt gespannt!

Über den Autor

Kristian Schuhmacher, 26, ist Engländer und seit Sommer 2012 Software-Entwickler R&D bei Amadeus Germany. Während seines Studiums in Aberystwyth (Wales, Großbritannien) absolvierte er 2010 sein Jahrespraktikum bei Amadeus in Bad…
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