Der Roboter oder Ich?

01.11.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Deutschland und seine Arbeitnehmer und Selbständigen werden von künstlicher Intelligenz und Robotern profitieren. Aber nur, wenn sie auf spezifische Fähigkeiten und Kompetenzen setzen.

Es ist eine beinahe hysterisch geführte Diskussion, die seit ein paar Jahren durch die Lande zieht. Sie führt immer zu der Frage: Wird mein Job bald durch Technologie ersetzbar? Auch hoch angesehene Medien beteiligen sich.

Welche Berufe fallen weg?

„Wie wahrscheinlich ist es, dass ich durch einen Computer ersetzt werde“, titelt die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und liefert eine Eingabemaske, in der der Leser seinen Beruf eintippen kann und dann sein Risiko erfährt, durch Kollege Roboter vom Arbeitsmarkt gefegt zu werden. Viele andere Medien schließen sich dem an. Wenn der Bitkom-Verband – wie Anfang des Jahres – postuliert, die technologische Entwicklung bedrohe drei Millionen Jobs hierzulande, dann machen sich die Medien solche Nachrichten gerne zu eigen. Medien ticken eben manchmal so: Only bad news are good news. Jeder zweite Arbeitsplatz sei bedroht, liest man zuweilen.

Mehr Gelassenheit, bitte!

Dabei wäre mehr Gelassenheit angebracht, das zeigt auch die neueste Forschung. Die Arbeitssoziologen der Universität Erlangen-Nürnberg kritisieren die pessimistischen Studien über die angeblich fatalen Wirkungen auf die Beschäftigungssituation. Denn diese Studien gingen einfach davon aus, dass Tätigkeiten in hoch automatisierten Branchen von Robotern komplett übernommen werden könnten. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

Was nur der Mensch kann

Beispiel Automotive-Industrie: Die Nürnberger Arbeitssoziologin Sabine Pfeiffer hat die Tätigkeit eines Anlagenführers und seine Arbeitsschritte analysiert. Er überwacht die Arbeitsschritte von acht Autobau-Robotern. In jeder bisherigen Untersuchung würde diese Tätigkeit als Routinetätigkeit eingestuft werden und könnte somit wegrationalisiert werden. Das würde den Auto-Konzern aber Millionen kosten. Denn durch sein jahrelang erworbenes technisches Verständnis der Abläufe, Materialien oder Verschleißprozesse greift der Anlagenführer in jeder Schicht 20 bis 30mal in den Produktionsprozess ein. Tatsächlich erhöhe die menschliche Intervention die technische Qualität der produzierten Autos gewaltig, so das Fazit der Soziologin. Denn Voraussicht und Erfahrung kann selbst der gewieftesten Künstlichen Intelligenz im Bereich schematischer Abfolgen nur schwer angelernt werden.

Neue Anforderungen, mehr Flexibilität

Natürlich revolutioniert die technologische Entwicklung unsere Arbeitswelt – unaufhaltsam. Wer nicht flexibel ist, muss sich das dringend aneignen. Jobs in Personal, Finanzen, Forschung, Produktion, Vertrieb und Marketing ändern sich gewaltig. Das ist notwendig, denn die Automatisierung führt zu höherer Produktivität und sinkenden Kosten. Ganz ohne Zweifel: Reine Routinearbeiten übernehmen zukünftig Rechner – und genau das führt zu neuen Anforderungen an die Jobs, die zukünftig noch von Menschen gemacht werden.

Kreativität und Innovation sind gefragt

Die Automatisierung hat nicht automatisch zur Folge, dass Arbeitsplätze reihenweise wegfallen. Stattdessen wird sich die Art der Arbeit vielfach ändern: Wenn Technologie Teil- und Routineaufgaben übernimmt, dann eröffnet das die riesengroße Chance, dass der Mensch sich auf das spezialisiert, was künstliche Intelligenz nie entwickeln wird: Kreativität, Innovation und Empathie. Denn für all das bedarf es weit mehr als Schaltkreise, Bits und Bytes. Entsprechend sollte auch das Schul- und Ausbildungssystem immer mehr auf die Entwicklung solcher Kompetenzen setzen. Auswendiglernen als Möglichkeit, durchs Abitur zu kommen – das wird uns in Zukunft nicht weiter bringen und Menschen auf den Arbeitsmarkt entlassen, die durch Technologie tatsächlich viel zu leicht austauschbar sind.

Nicht zuletzt: Digitalkompetenz von Anfang an

Um mit der zunehmenden Technologisierung Schritt zu halten, bedarf es außerdem digitaler Aus- und Weiterbildung. Das kann schon in der Grundschule anfangen und geht natürlich über die Nutzung technischer Geräte hinaus. Auf dem Smartphone herum daddeln zu können, reicht keinesfalls. Informationen zu finden, zu bewerten und kreativ in Handlungen umzusetzen – das können auf spielerische Weise jedoch schon Erstklässler lernen. So können Menschen mit ihrer Kreativität und Empathie zukünftig erfolgreich sein und Seite an Seite mit  Künstlicher Intelligenz oder Robotern arbeiten.  Als die Dampfmaschine oder das Automobil erfunden wurden, musste die Menschheit auch umdenken und profitierte von höherem Lebensstandard.

Also: Ein bisschen weniger Angst – und dafür mehr Mut, neue Wege zu gehen!

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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