Das Smartphone als Fernbedienung

01.10.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernd Schulz

Amadeus Blog: Wenn ich heute an Technik und Geschäftsreise denke, dann gar nicht sofort an Frontends, Backends und Funktionalitäten.

Ich denke an die neue Generation von Geschäftsreisenden, also an die Millenials. Sie sind sehr technikaffin, vernetzt und always online – und sie erwarten auf Geschäftsreisen das, was sie im Privaten auch wollen: Technologie, die das Leben einfacher und effizienter macht und ihnen Vorteile verschafft.

Wie könnte das aussehen? Vor allem mobil. In diesem Jahr sind weltweit 1,9 MilliardenSmartphones unterwegs, 2020 werden es vier Milliarden sein. 62 Prozent der Unternehmen statten ihre Geschäftsreisenden mit Smartphones aus. Die nächste Generation Mobilgeräte, die Wearables, ist auch bereits da: Bis 2019 soll dieser noch junge Markt der Smartwatches und Armbänder um 35 Prozent wachsen.

Travel Manager und Reiseanbieter reagieren in der Regel mit mobilen Apps. Und da gibt es direkt ein Aber: Es handelt sich meist um Single-Apps mit jeweils einer Funktion von jeweils einem Anbieter, zum Beispiel von einer Airline, einem Hotel, der Bahn oder dem Reisebüro. Das ist nicht sehr effektiv. Pseudo-Power-Apps, die die Reisedaten aus Single Apps in einer Oberfläche aufbereiten, sind ein erster Schritt zur Integration. Die Reisenden stimmen durch die Nutzung ab, ob ihnen das reicht.

Die einzige Möglichkeit, die Chancen der mobilen Technik voll zu nutzen, sind echte Power Apps

Sie stehen nicht für sich, sondern sind an die Systeme der Unternehmen gekoppelt: an die Online-Buchungsmaschine, an Firmenraten und Reisedaten und vor allem an die Reiserichtlinien. Power Apps sind viel mehr als lauter Single Apps in einer, sie sind eine Fernsteuerung für die Online-Buchungs-Engine des Unternehmens. Für Unternehmen mit OBE sollten sie das Maß aller Dinge sein.

Die Herausforderung liegt darin, sie technisch mit dem gesamten Travel Management zu vernetzen. Dazu gehören sowohl End-to-End-Prozesse, also Reiseplanung, Buchung und Reisekostenabrechnung in einem System, als auch die Integration der verschiedenen Verkehrsträger (Door-to-Door).

Ein gutes Travel-Management-System weiß nicht nur, dass die Reisenden am Ziel das kostenfreie Flughafenshuttle des Großkunden nehmen sollten statt eines Taxis für 50 Euro – es steuert sie auch entsprechend, und zwar mit möglichst viel „Simplexity“: Die Bedienung ist einfach, die komplexen Prozesse übernimmt die Technik. Integration im Travel Management bedeutet die technologische Verknüpfung von (internen) Systemen und die Konsolidierung von Content und damit einen vereinfachten Nutzungszugang.

Und zu alledem braucht es noch Personalisierung

Sie gründet idealerweise auf Daten sowohl aus dem Unternehmen (Travel Intelligence) als auch aus den sozialen Medien (Social Intelligence).

Das könnte so funktionieren: Wenn ich die nächste Geschäftsreise plane, schlägt mir das System für den Zielort das A-Hotel mit den besten Bewertungen vor, weil es weiß, dass ich eine Treuekarte von A habe. Für den Weg zum Konferenzort zeigt es den Standort der Mieträder, weil aus meinen sozialen Profilen hervorgeht, dass ich kurze Strecken in anderen Städten gern mit dem Fahrrad fahre. Das System kennt auch meine Vorliebe für Flugsitze mit Beinfreiheit und wählt entsprechend aus – wobei es darauf hinweist, dass ein etwas späterer Flug günstiger kommt.

Und was ist mit dem Schutz all dieser persönlichen Daten? Ein weiterer Punkt, der eher gegen Single Apps spricht. Sie erfordern es, dass persönliche Daten an verschiedenen Orten eingegeben werden, sie unterliegen nicht dem Unternehmens-Datenschutz und speichern die Daten häufig im Ausland. Aus diesem Grund sollte der Weg der Power Apps gegangen werden. Es ist sehr viel sicherer, Reisedaten in einer zentralen Unternehmens-App zu bündeln, denn dort liegen sie in einem durch die OBE kontrolliertem Umfeld und werden von einem Datenschutzbeauftragten kontrolliert.

So sieht es aus, wenn die Technik die Geschäftsreise treibt und die Geschäftsreise intelligent reagiert: Es entsteht ein technologisches Gesamtsystem mit den Reisenden im Zentrum, das die perfekte Reise organisiert und durch vollständige Integration auch noch Kosten spart.

So macht Technik Spaß.

Über den Autor

Bernd Schulz verantwortete bis Dezember 2016 als Geschäftsführer für Amadeus Germany die Märkte Deutschland, Österreich & Schweiz. Er war zuvor in diversen Funktionen im In- und Ausland in der Touristik…
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