Das Reisebüro der Zukunft

12.12.2018  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus Ennen

Amadeus Blog: Ein gemeinsames Forschungsprojekt von Amadeus und der Sustainable Design School (SDS) entwickelt zukunftsweisende Konzepte für Reisebüros: Wie können Reisebüros junge Leute für sich gewinnen, die noch nie eines betreten haben? Eine Reise in die mögliche Zukunft des Reisevertriebs.

Viktor, 19, will mit seinen Kumpels Urlaub machen – nur wo, das ist noch unklar. Da trifft es sich gut, dass die drei jungen Männer den „Take me along bus“ anhalten können. Das ist so eine Art fahrendes Multifunktionskino im VW-Bus-Look mit Hochleistungsrechner. Er bietet einerseits eine physische Reise an, zum Beispiel von der Uni zum Bahnhof. Das Interessante aber ist die virtuelle Reise, die mit ihm möglich ist: Nachdem die Drei Platz genommen haben, fahren Bildschirme herunter. Per Touchscreen beantworten sie ein paar Fragen zu ihrem Wunsch-Urlaub und schnell kristallisiert sich Asien als Kontinent heraus.

Im Bus nach Angkor Wat

Virtuelle Projektionen nehmen die Freunde mit nach Angkor Wat. Die Technologie erlaubt es sogar, die Stufen der Tempelanlage zu erklimmen und selbst Geräusche und Gerüche werden erlebt – die Zeit im Bus verfliegt nur so. Am Ende ist die virtuelle Reise gleichermaßen zu Ende wie die physische. Der Bus entlässt die Freunde wieder in die regnerisch-graue Realität – doch jetzt wollen sie unbedingt mit jemandem über ihr Reiseziel reden. Wie gut, dass Viktor eine App auf dem Smartphone hat, mit der sie direkt mit TOM verbunden werden. Tom ist ein Mensch aus Fleisch und Blut und er heißt so, weil er „Travel Organization Manager“ ist und die Jungs ab jetzt berät.

Wie die Generationen Y und Z ticken

TOM und der „Take me along bus“ sind Teil des Forschungsprojekts „Travel Retailer of the Future“ (Reiseverkauf in der Zukunft). Das Projekt hat Amadeus zusammen mit der Sustainable Design School (SDS) entwickelt, um sich der Lebensweise und damit auch dem Buchungsverhalten der Generationen Y und Z zu nähern. Die Sustainable Design School mit Sitz in Nizza arbeitet mit „Design Thinking“ – eine nutzerorientierte Methodik, um komplexe Probleme zu lösen und Innovationen zu schaffen. Die Generation Y ist im Zeitraum der frühen 80er bis frühen 2000er geboren. Später kamen die Jahrgänge 2000 bis 2015 hinzu – das ist die Generation Z. Den Ys wie auch den Zs ist gemeinsam, dass sie „digital natives“ sind: sie sind mit Computern und Smartphones aufgewachsen und haben dadurch einen ganz anderen Zugang zu allem Digitalen. Für Amadeus sind diese Generationen sehr wichtig. Da ihre Wünsche, die Welt zu bereisen, sehr ausgeprägt sind, wollte Amadeus wissen: Wie lassen sich die heute 20- bis 30-Jährigen für ihren Urlaub inspirieren und beraten? Und wie buchen sie?

Befragung: 77 Prozent waren noch nie in einem Reisebüro

Acht Studenten der SDS School im Alter zwischen 18 und 22 Jahren befragten zunächst 500 ihrer Altersgenossen und fanden heraus:

  • 77 Prozent hatten noch nie einen Fuß in ein Reisebüro gesetzt
  • 20 Prozent waren gelegentlich in einem Reisebüro – aber nur, als sie noch jünger waren – zusammen mit ihren Eltern
  • 57 Prozent planten und organisierten ihre Reise hauptsächlich auf spezifischen Reise-Websites
  • 43 Prozent planten und organisierten ihren Urlaub über Internet-Foren und Websites, die nicht spezifisch von der Reiseindustrie angeboten werden.

Völlig out: Bunte Broschüren

Als wichtige Erkenntnis dieser Befragungen kam auch heraus, dass die Digital Natives hübsche Kataloge und Broschüren voll mit bunten Bildern eher ablehnen. Vielmehr wollen sie Bilder und Erfahrungsberichte von echten Menschen – insbesondere ihren Altersgenossen – sehen: ein authentisches Reiseerlebnis, möglichst als Video und mit Ton.

Die zentrale Funktion von TOM (Travel Organization Manager)

Die Autoren der Studie haben innovative Konzepte entwickelt, die Ys und Zs wirklich begeistern könnten:

  • Der schon erwähnte „Take me along Bus“ für eine kurze reale und gleichzeitig eine inspirative virtuelle Reise
  • Eine App, die per Video sofort den Kontakt zu einem realen Reiseberater herstellt. Die App kann auch als Soziales Medium dienen und andere Kunden und Reisende miteinander vernetzen.
  • Der Berater TOM („Travel Organisation Manager“), der im Idealfall folgende Eigenschaften haben soll: Ein „Reisedesigner“ – leidenschaftlich, engagiert, zuverlässig, freundlich und elektronisch hyper-verbunden. Was TOM sagt, darauf muss man sich verlassen können. Und natürlich muss er auch ein Digital Native sein. Er ist nicht nur elektronisch vorm Verkauf einer Reise zur Stelle, sondern auch Berater seines jungen Kunden während der ganzen Reise. Tom kommt auch physisch dahin, wo seine Kunden sind: In die Mensa, in die Uni-Bibliothek, er trifft sie zur Kaffee-Pause oder sogar bei ihnen zu Hause – was auch immer bequem und einfach ist.

Eine Kapsel für „Best friends“

Wenn die Digital Natives nicht in ein Reisebüro gehen – dann sollte das Reisebüro zu ihnen kommen. Dazu hat die Studie „QUA“ erfunden – eine solarbetriebene Kapsel, die eine intensive virtuelle 360-Grad-Erfahrung vermitteln soll und Lust auf fremde Städte und Länder macht. Sie wird dort aufgestellt, wo junge Leute sich gerade aufhalten, beispielsweise auf einem Konzert. Außen werden interessante Bilder aufgespielt, die ins Innere locken sollen – für maximal zwei ist Platz – zum Beispiel für „Best Friends“. Denn die Zielgruppe „Best Friends“ hat die Studie als zweite wichtige Kundengruppe identifiziert: Also Reisende, die zu zweit oder als Paar auf Tour gehen.

Ein Reisebüro zum Abhängen

Schließlich gehört zum Ergebnis der Studie auch„IFTHEA“ – ein völlig anderes Reisebüro, wenn dieser Begriff überhaupt dafür ausreicht: Schon im Eingang stehen interaktive Bildschirme. Sie lassen den Kunden virtuell am Strand von Hawaii entlang schlendern, in Australien schnorcheln oder Ski fahren in den Alpen. Gemütliche Sitzecken und Hängematten laden im wahren Wortsinn zum Abhängen ein. Alles ist nach dem Motto eingerichtet: Es gibt nichts Schlimmeres als ein leeres Reisebüro. Also darf sich die Kundschaft dort auch einfach ausruhen oder sogar ein bisschen arbeiten. Genauso wie im Bus können Gruppen über Tablets ihre gemeinsame Lieblingsdestination herausfinden. Schließlich finden die Ys und die Zs in einer besonders gemütlichen Ecke TOM, der mit ihnen neue Ideen entwickelt.

Das alles klingt doch spannend, oder? Wenn Sie mehr über die Studie und die Ideen darin erfahren möchten: Hier können Sie sie komplett einsehen.

 

 

 

 

Über den Autor

Klaus Ennen verantwortet den Bereich Marketing Kommunikation bei Amadeus DACH. Er jongliert täglich virtuos mit Informationen zwischen Presse, Newslettern, Webseite, Community, Blog und weiteren Social Media Kanälen. Und auch „Live…
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