Corporate Cards reloaded – Worauf Unternehmen jetzt achten sollten

16.06.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernd Schulz

Amadeus Blog: Es ist beschlossene Sache: Ende 2015 greift die EU-Verordnung zur Senkung der Interbankenentgelte auf 0,3 Prozent des Umsatzes, was eine deutliche Verringerung der Händlerdisagios zur Folge hat – mit dem Ziel, die Verbraucherpreise zu senken.

Die Regulierung betrifft Karten aus sogenannten Vier-Parteien-Systemen wie Visa und Mastercard, die über ein privates Konto abgerechnet werden. Sie betrifft nicht Karten aus Drei-Parteien-Systemen wie Diners und American Express und auch nicht Karten von Visa und Mastercard, die über ein Firmenkonto abgerechnet werden. Reisestellenkarten (UATP-Karten) sind ebenfalls ausgenommen.

Für die von der Regulierung betroffenen Kartenprodukte werden Kreditkartenanbieter nun voraussichtlich versuchen müssen, die geringeren Einnahmen zu kompensieren. Das kann in Form von Transaktionsgebühren oder durch das Erheben von Jahresgebühren erfolgen. Auch der Wegfall von Leistungen oder die Einführung von Mindestumsätzen sind denkbare Optionen. Die Freude darüber, dass die EU-Richtlinie Firmenkreditkarten (Corporate Cards) von der Regulierung ausschließt, ist trügerisch – denn es ist gängige Praxis, dass Corporate Cards zunächst über das Privatkonto des Reisenden abgerechnet werden. Damit gelten sie nicht mehr als Firmenkreditkarten und fallen unter die Regulierung.

Marktführer AirPlus überlässt den Unternehmen die Entscheidung und bietet zwei Produkte an: Corporate Pay, bei dem die Abrechnung der Firmenkreditkarten über das Unternehmenskonto erfolgt (die damit also nicht von der EU-Regelung betroffen sind) und sogenannte Individual Pay Cards, bei denen die Abrechnung weiterhin über das Privatkonto des Reisenden erfolgen kann. Letztere werden allerdings zukünftig reguliert, Mehrkosten sind daher zu erwarten.

Für viele Unternehmen heißt es also voraussichtlich: Umstellen oder Draufzahlen.

Einen Lichtblick gibt es: Spätestens ab Sommer 2017 soll die neue EU-Richtlinie auch Kreditkartenentgelte verbieten, wie sie momentan von vielen Anbietern bei Kartenzahlung erhoben werden. Dies soll ebenfalls nur für regulierte Karten gelten, also zum Beispiel für privat abgerechnete Visa- und Mastercards. Diese Regelung würde die Mehrkosten für Unternehmen, die an der Abrechnung über das Privatkonto des Reisenden festhalten, zwar etwas abmildern – regulierte Karten dürfen zukünftig jedoch seitens der Anbieter diskriminiert werden. Zu erwarten sind daher wiederum Nachteile wie Nichtakzeptanz oder die Erhebung anderer Gebühren.

Sowohl der späte Zeitpunkt 2017, als auch die einseitige Abschaffung der Kreditkartenentgelte sind daher bereits umstritten.

Fakten-Check:

  • Händlerdisagios werden Ende 2015 für privat abgerechnete Kreditkarten (aus Vier-Parteien-Systemen wie Visa und Mastercard) sinken
  • Viele Corporate Cards werden derzeit über das Privatkonto des Reisenden abgerechnet und fallen daher unter die Regulierung
  • Kreditkartenanbieter werden voraussichtlich versuchen, geringere Einnahmen zu kompensieren – das kann für Unternehmen Mehrkosten bedeuten
  • Das für Sommer 2017 geplante Verbot von Kreditkartenentgelten soll ebenfalls nur für regulierte Karten gelten
  • Gleichzeitig dürfen Kreditkarten zukünftig diskriminiert werden – eine Nichtakzeptanz seitens der Anbieter ist also möglich

Es bleibt spannend! Und es lohnt sich, die Thematik rechtzeitig anzugehen:

  • Behalten Sie die Umstellung mit Blick auf das Budget 2016 im Auge
  • Prüfen Sie eventuell notwendige Verhandlungen mit internen Stakeholdern
  • Prüfen Sie Alternativen für bisherige Prozesse
  • Bereiten Sie die Kommunikation mit den Reisenden vor

Über den Autor

Bernd Schulz verantwortete bis Dezember 2016 als Geschäftsführer für Amadeus Germany die Märkte Deutschland, Österreich & Schweiz. Er war zuvor in diversen Funktionen im In- und Ausland in der Touristik…
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