Bitte froh und munter bleiben

20.12.2019  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Sascha Nau schreibt in seinem Weihnachts-Blogpost, warum er in diesem Jahr keinen Weihnachts-Blogpost schreibt. Jedenfalls keinen typischen.

Eigentlich wollten wir an dieser Stelle der Frage nachgehen, inwieweit das System Weihnachtsmann nachhaltig funktioniert. Muss der arme Kerl Flugscham empfinden, weil er durch die Luft reist? Ist der Rentierantrieb seines Schlittens wirklich umweltfreundlich und artgerecht – denn wie werden die Tiere gehalten? Und müssen sie nicht gedopt sein, um einen voll beladenen Schlitten über all diese Entfernungen zu ziehen? Entstehen dabei wirklich weder CO2 noch Methan?

Je länger ich darüber nachdachte, desto weniger hatte ich Lust, mich lustig zu machen. Es gibt genug andere, die das tun und dabei oft die Grenzen der Sachlichkeit, des Anstands und des guten Geschmacks überschreiten. Nicht nur Greta Thunberg, sondern alle jungen Leute, die zurzeit unbequeme Fragen zu unserem Lebensstil stellen, werden pauschal beschimpft und verspottet – auch von Staatsoberhäuptern. Da muss nicht auch noch Sascha Nau Witze machen.

Zumal die Reisebranche das Thema ernst nimmt.

In Kanada hat das erste Verkehrsflugzeug mit reinem Elektro-Antrieb seinen Jungfernflug absolviert. Es ist „nur“ ein Wasserflugzeug für kurze Distanzen, aber die Airline Harbour Air bedient an der kanadischen Westküste mit Maschinen dieses Typs jedes Jahr 500.000 Passagiere und will die gesamte Flotte von 40 Flugzeugen umrüsten. Und auf der anderen Seite der Erdkugel wollen die Flughäfen Dubai International und Dubai World Central vom 1. Januar 2020 an ohne Einweg-Bestecke, -Trinkhalme und -Tüten aus Plastik funktionieren.

Natürlich werden wir nie so umweltfreundlich werden wie ein Rentierschlitten. Wir sind ja auch keine Märchengestalten, sondern weltweite Dienstleister mit Millionen von Kunden. Aber dafür eine Branche, die sozusagen schon vom Betriebssystem her in den Zielgebieten Arbeit schafft und vielen Menschen den Lebensunterhalt sichert. Das ist ohne jede Frage ebenfalls eine Form von Nachhaltigkeit, wie zum Beispiel Ingo Lies von Chamäleon und Guido Wiegand von Studiosus immer wieder betonen. „Wer sich den ganzen Tag fragen muss, wo er bloß etwas zu essen herbekommt oder in der Nacht schlafen soll, der macht sich keine Sorgen um den Klimaschutz“, zitiert Spiegel.de Portia, eine 25-jährige Bibliothekarin aus Gambia. „Für uns ist das ein Luxusproblem. Selbst für mich – und ich habe das Glück, einen guten Job in einem Büro mit dichtem Dach zu haben.“ Platt gesagt: Nur versorgte Menschen haben Kapazitäten, sich um Nachhaltigkeit Gedanken zu machen.

Es ist eine komplizierte Materie.

Da wären zum Beispiel noch große Dinge zu diskutieren wie der Klimagipfel in Madrid und Ursula von der Leyens „European Green Deal“, außerdem kleine Dinge wie die Frage, ob Plastikeinschweißungen Koffer wirklich schonen – aber ich fasse mich kurz.

Es steht außer Frage, dass wir unseren Planeten schonender behandeln müssen. Wir sollten uns darüber freuen, dass eine Generation, die vielen als bequem und verwöhnt gilt, genau diese Bequemlichkeit und Verwöhntheit in Frage stellt. Ich finde, das ist ein sehr guter Grund, froh und munter zu sein. Deshalb mache ich in diesem Jahr mal keine Witze.

Ihnen allen frohe Weihnachten!

Über den Autor

Sascha Nau ist Head of Marketing & Communication Northern, Eastern, Central & Southern Europe, Retail Travel Channels bei Amadeus. Neben dem strategischen Marketing und Marketing Communication gestaltet er inhaltlich Events…
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