Bitcoin: Das müssen Sie über die digitale Währung wissen

22.08.2017  /  4 Minuten Lesezeit  /  1 Kommentar
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Der Wert der Internet-Währung Bitcoin ist drastisch gestiegen. Die Krypto-Währung ist digitales Gold zur Geldanlage, hat aber auch eine Bezahl-Option.

Schon mal mit Bitcoins bezahlt? Das funktioniert – beispielsweise im Buchgeschäft „Otherland“ in Berlin, das auf Science-Fiction-Romane spezialisiert ist. Wer sich über Literatur mit dem Leben in der Zukunft beschäftigt, der zahlt auch gerne mit digitalen Währungen. Die werden auch Krypto-Währungen genannt. Die bekannteste digitale Währung ist der Bitcoin, der auch die höchste Marktkapitalisierung hat. Er ist eine Art digitales Gold zur Geldanlage, hat aber auch eine Bezahl-Option.

Zocker verdienten Unsummen

Der Name setzt sich aus Bit – für die kleinste digitale Einheit – und dem englischen Wort Coin (Münze) zusammen, obwohl es Bitcoins nur im Internet gibt. Jeder kann Bitcoins kaufen und wieder verkaufen. Wer auf den Wertzuwachs des Bitcoin spekulierte, der konnte in den vergangenen Jahren Unsummen verdienen. Heute ist ein Bitcoin über 3000 Euro wert, mehr als drei Mal so viel wie noch zu Jahresbeginn. Doch Anlageberater bei Banken raten zu extremer Vorsicht, wie bei allen hochspekulativen Anlageformen. Das Internet ist nicht so sicher wie ein Bank-Safe. Immer wieder gibt es Hackerangriffe auf Handelsplattformen. Vor drei Jahren verschwanden viele Hunderttausend Bitcoins spurlos, nachdem die Bitcoin-Börse Mt. Coin Pleite gegangen war. Auch können Bitcoins gestohlen werden, wenn Betrüger den geheimen Schlüssel ausspähen, der eigentlich nur dem Bitcoin-Besitzer bekannt sein dürfte. Der reale Nutzen ist ebenfalls ungeklärt, ihn konnten selbst Finanzwissenschaftler nie berechnen. Kurzum: Bitcoins sind attraktiv, weil Bitcoins attraktiv sind. Ihre tatsächliche Nutzung für Zahlungen, also ihr primärer wirtschaftlicher Nutzen, hält sich in Grenzen.

Ein Vorteil für touristische Geldströme?

Vielleicht ändert sich das mit einer neuen Internet-Währung, die erst vor wenigen Wochen auf den Markt kam: Bitcoin Cash. Bitcoin Cash verspricht extrem schnelle Zahlungsabwicklung, egal, wie die Zukunft des Bitcoin aussieht. Finanzwissenschaftler sind sich sicher, dass Krypto-Währungen wesentlicher Bestandteil in der Zukunft der Währung sein werden. Für die Tourismus-Industrie könnte der Bitcoin interessant  werden, wenn er seine Stärke als weltweites Medium zum Transferieren von Geld ausbaut. Denn die Transaktionskosten sind gering.

Wer Bitcoins kaufen will, muss ein Konto eröffnen. Da dort keine persönlichen Angaben gemacht werden müssen, taugt der Bitcoin vielen Kriminellen zur Währung. Denn wer welche Summen transferiert hat, das kann kaum mehr von Strafverfolgungsbehörden nachvollzogen werden.

Die dunkle Seite: Währung im Darknet

Deswegen ist das Internet-Geld auch die Hauptwährung im Darknet. Alles Illegale lässt sich mit Bitcoins kaufen – das ist die schmutzige Seite. Die gute Seite: Internetwährungen werden die Wirtschaft verändern. Wie, das weiß noch keiner. Der Finanz- und Bitcoin-Spezialist Markus Miller hat dazu in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) geschrieben: „Manchen Menschen im Jahr 2017 den Bitcoin und seine Zukunftsmöglichkeiten zu erklären, ist wie einem Briefträger im Jahr 1977 das Zukunftspotential einer E-Mail zu erklären.“

Bitcoins bestehen nicht aus Scheinen oder Münzen, sondern aus verschlüsselten Datenblöcken. Die beruhen auf der Blockchain, einer Internet-Technologie, ohne die der Bitcoin technisch nicht existieren würde. Was die Blockchain ist, hat kürzlich mein Amadeus-Kollege Christian Warneck in diesem Blogpost gut erklärt.

Erfunden soll die Bitcoins der australische Informatiker Craig Wright haben. Er selbst bloggte kürzlich, er habe das System Bitcoin im Januar 2009 in einem akademischen Aufsatz unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto vorgestellt.

Client installieren: So kauft man Bitcoins

Wer Bitcoins kaufen will, muss einen Client installieren, ein Programm zum Verwalten der Währung. Der Client erzeugt, sobald er auf dem Rechner oder dem Smartphone ist, eine Datei die Wallet heißt und eine virtuelle Geldbörse ist. Mit der Eröffnung des Programms kreiert die Wallet einen öffentlichen Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel sieht zum Beispiel so aus: 2EQosahdfnric6wsme9cnhw83ßflvfne730dmcx89. Das ist sozusagen die Kontonummer. Den Schlüssel gibt der Bitcoin-User demjenigen, mit dem er handeln will. Dem er also Geld verschicken oder von dem er Geld erhalten möchte. Jede Transaktion ist dann in der Blockchain für jedermann sichtbar. Weil das leicht zu überprüfen ist, können Zahlungsvorgänge nicht gefälscht werden. In der Blockchain finden sich aber auch nur  Transaktionen, keine weiteren Daten. Deswegen ist das Zahlen mit Bitcoins anonym – genauso wie die Blockchain.

Vorsicht: nie den geheimen Schlüssel zeigen!

Neben dem öffentlichen Schlüssel bekommt der Bitcoin-User auch einen geheimen Schlüssel. Der ist so viel wert wie eine Kontonummer mit PIN-Code beim Online-Banking. Ohne diesen Schlüssel kann keiner Bitcoins verschicken.

Wie entstehen Bitcoins? Weil es ja keine Scheine und Münzen gibt, werden Bitcoins auch nicht physisch geschaffen. Vielmehr entstehen sie in aufwändigen und teuren Rechenoperationen. Neue Bitcoins werden durch Mining (Schürfen) erschaffen.

Die Minen, aus denen Krypto-Geld geschürft wird

In China und in Island gibt es mehrere Quadratkilometer große Rechenzentren, die Krypto-Währungen „minen“: ein einträgliches Geschäftsmodell, das Kritiker aber wegen des hohen Stromverbrauchs der Großrechner anprangern.  Ähnlich wie beim Gold – und anders als beim Euro oder dem Dollar – ist die Menge an Bitcoins begrenzt. Mehr als 21 Millionen Stück soll es nicht geben. Im Moment werden rund 16 Millionen Bitcoins gehandelt. Was danach passiert, weiß keiner: auch das ist wieder eine Unwägbarkeit der Internet-Währung.

Davon gibt es noch andere als den Bitcoin. Die Liste der Krypto-Währungen ist lang: nennenswert sind hier Ethereum, Ripple und – neuerdings, nach der Abspaltung – Bitcoin Cash. Mehr als 1000 Krypto-Währungen werden auf Coinmarketcap.com derzeit gezählt. Im Juni waren es noch 762. Je weiter man nach unten scrollt auf dieser Liste, desto geringer werden die Marktkapitalisierung und damit auch der Wert.

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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1 Kommentar

  1. Rivka Kibel sagt:

    Bitcoins – das klingt wie eine Erfindung aus einem James-Bond-Film… Umso besser, dass man hier prima erklärt bekommt, was das eigentlich für eigenartige Münzen sind…

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