Bezahldienste der Digital-Giganten: Daten sind die neue Währung

05.07.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Google, Apple, Facebook oder Amazon bauen mit Macht ihre Bezahldienste aus. Damit lässt sich ordentlich Geld verdienen. Nicht nur der Gebühren wegen, sondern auch, weil die Digital-Riesen damit noch viel besser an wertvolle Daten der Verbraucher kommen.

Die US-Giganten Apple, Amazon und Co. sind einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) zufolge die wertvollsten börsennotierten Firmen weltweit. Erstmals finden sich unter den teuersten sechs Unternehmen ausschließlich Digitalkonzerne. Banker wetten schon, welcher Tech-Gigant die Eine-Billion-Dollar-Mauer bei der Marktkapitalisierung durchbricht. Bestplatziertes deutsches Unternehmen unter den Top 100 ist laut EY das Softwareunternehmen SAP mit 137 Milliarden Dollar auf Platz 58. Der Münchner Siemens-Konzern kommt mit einem Marktwert von 110 Milliarden Dollar auf Rang 73.

Mit Alipay den Strom bezahlen

Und was treibt diese Börsen-Schwergewichte momentan am meisten um? Mit Macht bauen sie ihre Bezahlungssysteme aus. Auch der chinesische Internetkonzern Alibaba hat mit Alipay schon mehr als eine halbe Milliarde Nutzer, die auf diesem Weg zum Beispiel ihre Strom- und Wasserrechnungen bezahlen.

Mit den reineren Finanztransaktionen können Alibaba oder die GAFAs (Google, Apple, Facebook und Amazon) Geld verdienen. Denn die Kreditkartengebühren könnten entfallen, die bei jedem Online-Kauf von der Kaufsumme abgezogen werden. Der noch größere Schatz jedoch sind schon jetzt die Daten, über die die Digitalkonzerne verfügen. Wenn sie jetzt auch die Bezahlungsströme ihrer Kunden analysieren können, dann macht das die GAFAs noch erheblich reicher.

Alles gläsern: Urlaub, Kleidung, Essen

Dann nämlich können sie sehen, wann, was und über welche Händler und Dienstleister ihre Kunden bestellen. Und genau dies dann über personalisierte Werbung selbst anbieten. Lebensmittel-Einkauf, Urlaub, Kleidung , Mobilfunk oder Versicherungen. Aus Sicht der Internet-Konzerne ein genialer Schachzug.

Amazon arbeitet derzeit mit der Großbank JP Morgan Chase an einem Großprojekt zusammen, berichtet das Wall Street Journal. Es wird ein Produkt entwickelt, das dem eines Girokontos ähnelt. Alibaba in China hat so ein Produkt schon. Die chinesischen Verbraucher haben viel weniger Angst, ihre Daten preiszugeben, bezahlen kaum mehr bar und vertrauen Alibaba – hier schert sich niemand um Datenschutz-Grundverordnungen.

Kooperation mit Großbank mit hohem Profit

Seit dreieinhalb Jahren gibt es schon Amazon Pay – 33 Millionen Kunden vertrauen dem Bezahldienst. Der ist Amazon-Gründer und Vorstandschef Jeff Bezos jedoch viel zu teuer, weil er das Geld über Bank- und Kreditkarten eintreibt. Das Amazon-Konto soll wesentlich günstiger sein; vor allem aber dem Internet-Giganten noch mehr Daten über seine Nutzer liefern. Das neue Konto in Kooperation mit der Bank soll bei Amazon alles noch besser machen.

Apple, Android, Facebook- und WhatsApp mit Bezahl-Plattformen

Mobil zahlen zu können spielt eine immer wichtigere Rolle, wie der World Payment Report der Unternehmensberatung Capgemini unterstreicht. Deswegen entwickelt Apple seine Bezahl-Lösung Apple Pay immer weiter. Schon seit 2015 gibt es Android Pay. Gründer ist Google. Facebook bläst seinen Messenger zur Bezahlplattform auf. Last but not least strickt WhatsApp an einer Funktion zum Bezahlen. Womit der Messenger-Dienst, den fast jeder ohnehin auf dem Handy hat, erheblich Einnahmen generieren könnte.

Geschäftsbanken aufgemischt

Das mischt die Bankenbranche gewaltig auf. Automatisierte Beratungslösungen mit passiven Produkten werden für Bankkunden künftig zum Standard gehören. Robo Advisors können ein Teil von dem übernehmen, was der klassische Bankberater aus Fleisch und Blut kann.

Geldhäuser: neue Geschäftsmodelle tun Not

Den GAFAs fällt es viel leichter, neue Organisationsstrukturen in ihren Unternehmen zu etablieren. Und dann haben die Internet-Riesen noch etwas, was selbst den größten Geschäftsbanken der Welt zunehmend fehlt: Kapital – fast ohne Ende.

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Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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