Bewegtbild boomt: Ohne Video Content wird man chancenlos

09.11.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus Ennen

Amadeus Blog: Früher hieß es immer „Wer schreibt, der bleibt“. Das ist vorbei. Wer heute in die Köpfe und Herzen von Menschen und Verbrauchern vordringen will, muss bewegte Bilder produzieren. Videos sind die neuen Botschafter – für Nachrichten, Geschichten, Meinungen und Werbung. Daran gibt es für mich keinen Zweifel.

Warum ich da so sicher bin? Weil ich die Zahlen kenne. Laut einer Studie des Telekommunikationsriesen Cisco sollen schon 2018 fast 80 Prozent des gesamten weltweiten Internet Traffics aus Bewegtbild bestehen. Und für Deutschland hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) kürzlich vorgerechnet, dass bereits heute mehr als zwei Drittel aller Internetnutzer hierzulande regelmäßig Videos konsumieren.

Getrieben wird der Video-Hunger, Fachleute sprechen auch gerne von Bewegtbild-Boom, durch die digitalen Medien. Vor allem Youtube und Facebook pushen das rasante Wachstum, aber auch klassische Medien wie beispielsweise Spiegel Online oder Süddeutsche.de setzen auf ihren Webseiten immer mehr Video Content ein. Das Berliner Verlagshaus Axel Springer hat vor zwei Jahren sogar den TV-Sender N24 gekauft und Mitte 2015 mit seiner Printmarke „Welt“ fusioniert – das alles mit dem Ziel, den Nutzern künftig noch mehr und noch bessere Bewegtbildangebote machen zu können.

Allein auf Youtube, noch immer Marktführer bei der Online-Video-Verbreitung werden weltweit pro Minute rund 100 Stunden Videomaterial hochgeladen und pro Tag rund vier Milliarden Videos aufgerufen. Was für eine gigantische Entwicklung – ohne Ende in Sicht. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Stunden, die Nutzer mit dem Anschauen von YouTube Videos verbringen, um 60 % gestiegen. Mal wieder ein neuer Rekord.

Und eines muss uns klar sein: Das ist erst der Anfang. Mit dem weiteren Siegeszug der Smartphones, sprich dem Mobile Boom, wird auch der Video-Konsum weiter dramatisch steigen. Kaum ein Mensch wird künftig noch lange Texte auf seinem Handy lesen wollen. Im Gegenteil: Schnelle Bilder und leichte Töne in kurzen Häppchen werden den Content der Smartphones dominieren.

Extrem spannend finde ich in diesem Kontext zwei weitere Entwicklungen. Erstens: Mit Live-Stream-Apps wie Meerkat oder Periscope wurde schon im Frühjahr die nächste Stufe der Bewegtbild-Rakete gezündet. Ob Fachkongress oder Start in die Traumreise – dank Live-Streaming kann nun jeder User eigene Bewegtbilder direkt an seine Fans und Freunde posten. Wie heiß dieser Trend tatsächlich ist, zeigt für mich die Tatsache, dass im August auch Facebook mit der Anwendung „Facebook Live“ in diesem Bereich nachgezogen hat. Zweitens: Auch 3D-Datenbrillen, wie beispielsweise Oculus Rift, bieten den Menschen Bewegtbilder und gewöhnen sie so peu â peu daran, Informationen und Inhalte in Form von Videos anschauen zu können – sogar ganz ohne Smartphone.

Es ist also längst keine Frage mehr des Ob, sondern des Wann. Ohne Video Content, davon bin ich überzeugt, werden Unternehmen in absehbarer Zeit kaum eine Chance mehr haben, mit Kunden oder anderen Zielgruppen in Kontakt zu treten.

Für die Reiseindustrie sehe ich das als eine riesengroße Chance. Wer, wenn nicht wir, lebt von opulenten Bildern, O-Tönen und Emotionen? Die Touristik ist für Bewegtbildkommunikation extrem prädestiniert. Ob Impressionen und Stories aus fernen Ländern, spannende Service- und Produktnews oder Interviews mit klugen Köpfen zu aktuellen Themen – die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Und gute Beispiele gibt es ja auch bereits. TUI und Thomas Cook etwa investieren derzeit eine Menge Geld, um mehr bewegte Bilder auf ihre Webseiten und in die sozialen Medien zu bringen. Auch Destinationen – von Thailand bis Sylt – haben bereits tolle Videos im Netz.

Insgesamt aber nutzen wir als Branche die wachsenden Bewegtbild-Möglichkeiten noch viel zu wenig. Das liegt natürlich auch an fehlenden Budgets. Meines Erachtens liegt es aber vor allem an fehlenden Strategien. Denn bevor überhaupt über Etats und Investitionen nachgedacht wird, muss in den Unternehmen doch zunächst einmal eine Entscheidung für konsequenten Bewegtbildeinsatz getroffen und dieser in die Kommunikationsplanung fest eingebunden werden.

Und hier gibt es für uns alle noch eine ganze Menge zu tun. Mein Eindruck ist: Es ist noch nicht zu spät, doch für die meisten wird es nun allerhöchste Zeit. Denn nur wer sich im wahrsten Sinne des Wortes bewegt, wird künftig im Netz sichtbar bleiben.

Über den Autor

Klaus Ennen verantwortet den Bereich Marketing Kommunikation bei Amadeus DACH & Traveltainment. Er jongliert täglich virtuos Informationen zwischen Presse, Amadeus Magazin und Newsletter, Webseite, Community, Blog und weiteren Social Media…
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