Beteiligungen auf Zeit

25.04.2016  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Brigitte Löhl

Amadeus Blog: Wie bleiben Unternehmen dicht am Markt? Durch gute Sales-Teams, durch ein hellhöriges Marketing und durch die richtigen Geschäftspartner. Amadeus hat vor etwa zwei Jahren einen zusätzlichen Weg eingeschlagen: Wir beteiligen uns an Start-ups – zum beiderseitigen Nutzen.

Es gehörte schon immer zu unserer Strategie, Anteile an anderen Unternehmen zu kaufen oder sie ganz zu übernehmen. Prominente Beispiele sind Traveltainment, pixell, Travel Audience – und natürlich Amadeus Germany, 1971 gegründet und von Amadeus in zwei Schritten 1999 und 2003 integriert.

Neu an den Start-up-Beteiligungen ist: Sie laufen für begrenzte Zeit

Ziel ist es, von den Ideen der jungen Unternehmen für unsere eigenen Produkte und Prozesse zu lernen und ihnen im Gegenzug unternehmerisches Know-how und Kundenkontakte mit auf den Weg zu geben. Wenn sie soweit gewachsen sind, dass sie alleine vorwärts kommen, steigt Amadeus aus und hat im Idealfall einen stabilen, innovativen Geschäftspartner, der uns lange Jahre begleiten und befruchten kann. Unser Vorgehen ist also genau das Gegenteil einer Heuschrecken-Strategie.

Das Start-up-Programm hat schon greifbare Ergebnisse gebracht

Mit Evaturezum Beispiel: Das israelische Unternehmen entwickelt Freitextsuchen und Stimmerkennungen für Online-Reiseanbieter. Der „Expert Virtual Agent“ (Eva) erkennt unter anderem Abflughäfen und Zielgebiete aus frei eingegebenen Texten. Das lässt sich auf www.amadeus.net ausprobieren. Gemeinsam mit einigen Airline-Kunden testen wir zudem Flugbuchungen auf der Grundlage von Stimmeingaben.

Oder Olset: Der ebenfalls israelische Spezialist für die Personalisierung von Reiseangeboten analysiert Millionen von Hotelbewertungen und extrahiert aus den Texten automatisch die vergebenen Urteile. Die so gewonnenen strukturierten Informationen können Onliner nutzen, um im Moment einer Suchanfrage die Auswahl der Angebote stärker an die Vorlieben der Kunden anzupassen. Amadeus bietet seinen Kunden Schnittstellen (APIs) zur Technologie von Olset an und nimmt Olset regelmäßig zu Kunden mit. Olset wird darüberhinaus Teil der Amadeus App CheckMyTrip.

Insgesamt hat sich Amadeus in den vergangenen zwei Jahren mit Summen von 500.000 bis drei Millionen Euro an sechs Unternehmen beteiligt. Außer Evature und Olset sind das:

  • Cabify: Das Unternehmen vermittelt per App Limousinen-Services mit Chauffeur.
  • Yapta Mit den Tarifmanagement-Lösungen von Yapta können Firmenkunden die Frage beantworten, ob sie Flüge und Hotels sofort buchen oder besser noch warten sollten.
  • BookingPal: Die Umbrella-Lösung verbindet Property-Management-Systeme von Hotels und anderen Unterkunftsanbietern mit Vertriebssystemen und Online-Mittlern.
  • BluesmartDer Hersteller digitalisiert Koffer: Sie können vom Smartphone aus mit einem Code gesichert und an jedem Ort der Welt lokalisiert werden – und sie geben Alarm, wenn die Distanz zwischen Koffer und Smartphone einen festgelegten Wert überschreitet.

Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir sehr zufrieden. Über die Start-up-Beteiligungen kommen keine fertigen und eingeführten Produkte ins Amadeus Portfolio, wie das vor Jahren bei Traveltainment der Fall war oder erst voriges Jahr mit Navitaire. Es geht uns um Innovationen und darum zu lernen, was die nächste Generation aus der bestehenden Technologie macht. Das funktioniert: Wir haben viel über den Markt gelernt, hervorragende Kontakte gewonnen und sind dabei, unsere Produkte spürbar zu verbessern.

Natürlich schauen wir nach weiteren Beteiligungsmöglichkeiten

Gegenwärtig stehen Themen wie „Data-Driven Search“ und „Data-Driven Advertising“ im Zentrum unseres Interesses, dazu Technologie, die die „Travel Experience“ der Reisenden verbessert. Es ist kein Zufall, dass genau diese Dinge zurzeit in unserem Marketing eine große Rolle spielen.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass es bei etwa vier Prozent der Start-ups, die wir uns anschauen, zu einer Investition kommt. 2015 haben zwölf Unternehmen in unserer Unternehmenszentrale in Madrid präsentiert. Wir gehen also sehr sorgfältig vor. Und wir legen nicht nur Wert auf innovative Ideen, sondern auch auf die Leute dahinter. Eine Idee kann so gut sein, wie sie will – wenn das Management nicht unser Vertrauen gewinnen kann, halten wir uns lieber zurück. Oft kommt das nicht vor, bisher haben wir das Budget jedes Jahr vollständig ausgegeben.

Den deutschen Markt behalten wir dabei stets im Blick, auch wenn es hier bisher zu keiner Investition gekommen ist. Aber wer weiß? Amadeus ist vor kurzem aus der ersten Investition planmäßig ausgestiegen, es handelt sich um Cabify. Die Dinge sind also in Bewegung.

Über den Autor

Brigitte Löhl leitet seit 2012 das Business Development für die Märkte Nord-, Zentral- und Osteuropa. Sie treibt den Aufbau neuer Geschäftsfelder und –ideen voran und verantwortet strategische Projekte wie auch…
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