„Beam me up, Scotty!“ (Teil 2)

21.07.2015  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Angela Gebertz

Amadeus Blog: Holodeck und Warp-Antrieb? Wie werden technologische Entwicklungen die Zukunft des Reisens prägen?

Aus dieser Frage entstanden 10 Thesen, die wir Ihnen in zwei Teilen vorstellen. Falls Sie den ersten Teil verpasst haben, können Sie ihn hier lesen. Heute nun die Thesen 6-10:

These 6: Neue Welten der Inspiration

Erinnern Sie sich an das Holodeck? Das war schon der Wahnsinn, wie die Crew der Enterprise in ihrer Freizeit beliebige virtuelle Welten betreten konnte, die nicht nur visuell, sondern auch haptisch vollkommen realistisch waren. Obwohl das Holodeck schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat (28 genauer gesagt) fangen wir in der wirklichen Welt gerade erst an, uns solchen Technologien anzunähern – aber wir nähernuns an, soviel steht fest. Treiber von virtuellen Welten ist die Spiele-Industrie und von hier breitet sich der technologische Trend aus: Immersive virtuelle Technologien wie die Oculus-Rift-Brille oder die Samsung Gear VR werden auch in der Reisebranche Einzug halten und die Phasen Inspiration und Shopping auf eine neue Stufe heben. Virtueller Content wird den bestehenden Rich Media Content ergänzen – oder irgendwann sogar gänzlich ersetzen. Das bedeutet, der Reiseinteressierte kann über eine VR-Brille zum Beispiel seinen Urlaubsort, sein Hotel oder ein Restaurant bereits vorab „besuchen“ und dies zur Entscheidungsgrundlage für die Buchung machen.

These 7: Virtualität als Produkt

Virtuelle Technologie für Inspiration und Shopping, okay – aber wie sieht es mit einem rein virtuellen Produkt aus, ist auch das möglich? Ja. Denn man kann davon ausgehen, dass die technologische Entwicklung in diesem Bereich große Schritte machen wird in den nächsten Jahren und immersive Erlebnisse somit schon bald an den Wert eines echten Erlebnisses herankommen. Das Endspiel der Fußball-WM – also so richtig inmitten der Fans – von meinem Wohnzimmer aus? Genau das wird möglich sein, denn Events sind prädestiniert dafür, als virtuelle Produkte angeboten zu werden. Neben Sportereignissen sind auch Musikkonzerte oder der virtuelle Besuch eines Museums denkbar. Im Klartext: Nie wieder am Louvre anstehen (und dann doch kaum was von der Mona Lisa sehen). Und eine virtuelle Reise? Tja, da kämen wir dem Holodeck schon recht nahe. Dieses hat den bisherigen virtuellen Technologien allerdings etwas Entscheidendes voraus: den Sand im Holodeck kann ich durch die Finger rieseln lassen und der Cocktail an der Holo-Strandbar ist der Köstlichste weit und breit. Virtuelle Reisen sind also erst dann denkbar, wenn sie auch mit allen Sinnen erlebbar sind – ein rein visuelles oder akkustisches Erleben reicht nicht aus.

These 8: Sharing Economy – ein fester Bestandteil in der Reisebranche

Teilen, teilen, teilen – oder: Teilen ist das neue Besitzen. So könnte man die Grundidee der Sharig Economy zusammenfassen. Den Nutzern geht es dabei aber nicht so sehr um philosophische Ansätze sondern mehr um die Praktikabilität, den Kostenaspekt und das breite Angebot bei der Nutzung von Sharing-Angeboten. Anbieter wie airbnb und Uber erobern den Markt – und zwar zunehmend nicht nur im Leisure-Bereich sondern auch im Business-Umfeld. Die Welt der „Para-Anbieter“ dehnt sich aus – zum Leidwesen der klassischen Anbieter, die teilweise versuchen, gegen den Trend vorzugehen. Tatsache ist: er ist aus der Reisebranche fast schon nicht mehr wegzudenken. Dabei ist die Sharing-Economy eng an den mobilen Alltag gebunden, und Lösungen wie Mobile Payment oder Self-Service-Technologien (siehe Teil 1) werden sie noch um einiges weiter nach vorne bringen.

These 9: Die neue Mobilität 

Der Zugang zu personalisierter Mobilität ist bereits zur Selbstverständlichkeit geworden – jedoch müssen sich die Nutzer noch sehr viel selbst zusammensuchen und Systeme sind nicht wirklich vernetzt. In Zukunft werden technologische Lösungen Mobilitätswünsche antizipieren. Sie werden Vorschläge – basierend auf meinem individuellen Profil und meinem aktuellen Kontext – unterbreiten und so für ein reibungsloses Reiseerlebnis sorgen. Technisch gesehen ist die Voraussetzng hierfür das Schaffen mobiler Standards. Ansonsten findet sich der Reisende in einem App-Dschungel wieder, beziehungsweise es fehlt die Vernetzung der Angebote, die entscheidend für einen echten Mehrwert ist. Tickets für gebuchte Leistungen werden ausnahmslos auf einem mobilen Endgerät gespeichert werden, mittels Wearables wird eingecheckt, bezahlt wird mit mobile Wallets und Navigations-Systeme erleichtern mit Hilfe von iBeacons zukünftig den Weg – egal wohin. Oder Sie gehen einen Schritt weiter, werden zum Cyborg und optmimieren Ihre Mobilität – und generell Ihr  Leben – durch ein elektronisches Implantat (lesen Sie dazu unseren Cyborg-Artikel im Amadeus-Magazin).

These 10: Simplexity!

Simplexity ist ein Wortkonstrukt – es setzt sich zusammen aus „Complexity“ (Komplexität) und „Simplicity“ (Einfachheit). Simplexity bedeutet im Prinzip, dass sich aus der technologischen Entwicklung eine neue paradoxe Forderung ergibt: der nach Vereinfachung. Denn je komplexer das Angebot ist, desto mehr erschlägt es auch den Nutzer. Denken Sie allein mal an die ganzen Apps, die auf Ihrem Smartphone ein mehr oder weniger sinnloses (ungenutztes) Dasein fristen – haben Sie noch Platz für eine Weitere? Komplexität ist im Endeffekt weniger bereichernd als vielmehr anstrengend. Und so gilt es, dem Reisenden ein technologisches Umfeld zu bieten, das sein Leben nicht anstrengender macht, sondern es ihm vereinfacht. Vernetzte Systeme ermöglichen ein umfassendes Angebot, das wirklich einfach zu nutzen ist. Und genau darum wird es in der Reisebranche sowie in unseren gesamten Technologieerfahrungen zunehmend gehen: um Vereinfachung. Und mal Hand aufs Herz – im Prinzip wartet doch jeder auf die Super-App, die alles kann. Aber die gibt es vielleicht erst in Sternzeit -302448.9596.

Über den Autor

Angela Gebertz widmet sich bei Amadeus strategischen Marketing- und Positionierungsthemen. Der touristische Hintergrund der Betriebswirtin ist geprägt durch Vielfalt: Von der Reiseleitung in Spanien während des Studiums und der Arbeit…
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