„Beam me up, Scotty!“ (Teil 1)

14.07.2015  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Angela Gebertz

Amadeus Blog: Wie sieht er aus, der Reisende der Zukunft? Geht es irgendwann wirklich um Warp-Antrieb und Holodecks?

Das haben wir uns vor kurzem gefragt. Und obwohl viele hier bei Amadeus mit Captain Kirk & Co. aufgewachsen sind, galt es natürlich, das Thema etwas fundierter anzugehen. Wir wollten also ganz konkret wissen, wie technologische Entwicklungen die Zukunft des Reisens – und somit die Erfahrung von Reisenden – prägen werden. Und was das eigentlich für Unternehmen der Reisebranche und Reisetechnologieanbieter bedeutet. Mit dieser konkreten Fragestellung machten wir uns auf den Weg: Hinein in den Dschungel technologischer Hypes und menschlicher Verhaltensweisen.

Heraus kamen 10 Thesen – heute im 1. Teil zunächst die Thesen 1-5:

These 1: Wer technologische Trends für den Reisemarkt adaptiert, bleibt im Geschäft
Während Technologie ein zentraler Treiber in der Reisebranche ist, entspringen viele technologische Entwicklungen nicht der Branche selbst. Die Reisebranche passt sich vielmehr an das technologische Umfeld des Reisenden an – und hier sind Early Adopter in Zukunft klar im Vorteil! Denn Reisende erwarten technologische Angebote, die sie bereits nutzen, selbstverständlich auch wenn es ums Reisen geht. Wer es also schafft, Technologien anzubieten, die das Reiseerlebnis spürbar bereichern, wird zukünftig das Rennen machen. So werden Wearables, mobile Payment (wie Apple Pay) und Virtual & Augmented Reality Technologien – um drei Beispiele zu nennen – schon bald auch aus der Reiseindustrie nicht mehr wegzudenken sein.

These 2: Es geht um passgenaue Angebote
Das Thema Personalisierung ist ja sehr „in“ – aber worum geht es dabei eigentlich wirklich? Das Zauberwort im Kampf um die größtmögliche (und gewinnversprechendste) Personalisierung ist: Relevanz. Relevant ist das, was den Reisenden jetzt, an genau dieser Stelle, zu genau diesem Zeitpunkt interessiert. Alles andere ist irrelevant – stört also nur. Die Grundlage für Relevanz bilden mobile Technologien, kontextsensitive Informationen und antizipatorische Systeme. Sie werden in Zukunft ebenso eine tragende Rolle spielen wie persönliche virtuelle Assistenzen, die eine Filter- und Optimierungsfunktion übernehmen. Wer es schafft, dem Reisenden wirklich (!) das zu liefern, was er grade sucht oder braucht – hat gewonnen. Und wird vielleicht sogar mit Loyalität belohnt. Auch wenn diese in Zukunft – neben Aufmerksamkeit – ein sehr knappes Gut werden wird.

These 3: Systembrüche waren gestern 
Kennen Sie das? Die Öffnungszeiten des Naturkundemuseums in Berlin hole ich mir von deren Webseite, klar. Wann ich mit der Bahn in Berlin ankomme und wie ich von dort zum Hotel komme –  das suche ich mir auf bahn.de zusammen. Wie ich dann vom Hotel das Museum erreiche – da muss ich wohl auf irgendeiner Seite der Berliner Verkehrsbetriebe schauen. Bin mit Kind unterwegs, soll also alles reibungslos klappen. Und wie weit nun dieses tolle Café, das mir auf meiner yelp-App empfohlen wird, vom Museum entfernt ist…naja, schau‘n wir mal. So sieht es momentan noch aus – es ist teilweise ziemlich müßig. Es wird daher zunehmend um einen nahtlosen Zugang zu Informationen und Buchungsmöglichkeiten gehen. Denn, ganz ehrlich, mich interessieren keine Tarifgebiete oder dass diese eine App der Stolz von Firma XY ist -mein Smartphone ist bereits voll davon! Der perfekte Trip wird in Zukunft letztlich eine perfekte Vernetzung von Angeboten, Informationen und Zugängen sein – im Backend wie im Frontend.

These 4: Self-Service mit Absicherung
An die automatische Gepäckaufgabe haben wir uns mittlerweile gewöhnt, zumindest diejenigen von uns die regelmäßig ab Frankfurt, München oder Hamburg fliegen. Diese Form des Self-Service ist jedoch nur der Anfang. Smarte Technologien werden es Reisenden zunehmend ermöglichen, einzelne Service-Schritte selbst abzuwickeln. Wo mich heute also noch ein Hotelmitarbeiter freundlich um meine Kreditkarte bittet, werde ich in Zukunft direkt zu meinem Hotelzimmer durchgehen, um es mit meinem Smartphone zu öffnen. Insbesondere aber wird in der Airport-IT die Automatisierung von Check-in, Sicherheitskontrollen und Boarding sowie eine technologische Begleitung des Reisenden durch den Flughafen stark zunehmen. Und wieso Absicherung? Im Moment stehen neben den smarten Gepäckautomaten noch ebenso smarte Menschen, die jederzeit einschreiten können, wenn es zum Beispiel zu einem Unfall mit dem selbstklebenden Gepäckanhänger kommt (und dieser nun an den Händen klebt). Reisende erwarten – zumindest im Moment noch – Hilfestellung, wenn das nötig wird. Doch auch das wird in Zukunft abnehmen, geht es den Anbietern doch darum, Kosten für personelle Ressourcen einzusparen. Die Usability in Self-Service Sytemen wird daher von besonderer Bedeutung sein – damit der smarte Automat in Zukunft ausreicht.

These 5: Die Reisephasen vermischen sich
Man könnte fast sagen: Während der Reise ist vor der Reise ist nach der Reise – insofern dass Inspiration, Shopping und Buchung durch mobile Technologien mittlerweile immer möglich sind. Google spricht von „micro moments“ – und wir kennen das alle: Mal eben im November beim Warten auf den Bus schauen, wie warm es zur Zeit so in Florida ist. Und was ein Flug kosten würde. Oder bei der Ankunft in Zürich schnell noch einen Mietwagen per Handy buchen. „Anytime, anywhere, anything“ – der Reisende hat über mobile Geräte zunehmend Zugang zu allen relevanten Informationen und Angeboten. Er kann buchen, wenn er gerade am Urlaubsort angekommen ist, sich inspirieren lassen, während er noch am Strand liegt. Das mobile Gerät wird dabei zunehmend erst zum Point-of-Contact, dann zum Point-of-Sale. Für Anbieter bedeutet das: präsent sein. Und zwar da, wo der Reisende ist: hier. Genau jetzt.

Über den Autor

Angela Gebertz widmet sich bei Amadeus strategischen Marketing- und Positionierungsthemen. Der touristische Hintergrund der Betriebswirtin ist geprägt durch Vielfalt: Von der Reiseleitung in Spanien während des Studiums und der Arbeit…
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