Barrierefreies Reisen flächendeckend ermöglichen

11.10.2017

Pressemitteilung: Amadeus fordert die Reisebranche auf, barrierefreies Reisen flächendeckend zu ermöglichen. Eine neue Studie zeigt, wie stärkere Personalisierung, allgemeine Service-Standards, effektivere Kommunikation und verstärkte Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor künftig die Barrierefreiheit der Reisebranche fördern können.

Madrid, 11. Oktober 2017 – Mehr als zwei Milliarden Menschen auf der ganzen Welt sind aufgrund einer Behinderung oder ihres Alters auf Barrierefreiheit angewiesen. Trotzdem – so zeigt eine neue Studie von Amadeus – werden die Reisebranche und der öffentliche Sektor den meisten ihrer Bedürfnisse nicht vollständig gerecht. Barrierefreies Reisen ist also für Millionen von Reisende noch längst keine Realität.

Die vier Kernergebnisse der Studie „Voyage Of Discovery: Working Towards Inclusive And Accessible Travel For All“: Ungenaue oder unvollständige Informationen gehören nach wie vor zu den größten Hürden für barrierefreies Reisen, gemeinsam mit unqualifiziertem Kundenservice. Kunden, die Barrierefreiheit brauchen, erwarten dies in zunehmendem Maß als Teil des allgemeinen Reiseangebots – und zwar ohne Aufpreis. Und: Technologie spielt für barrierefreies Reisen eine zunehmend wichtige Rolle, und Entwicklungen wie Spracherkennung werden inzwischen als normal angesehen.

Die Studie beruht auf rund 800 Interviews mit Reisenden und Fachleuten in der EU, den USA und Indien und berücksichtigt die Ergebnisse der drei Regionen zu gleichen Teilen. Rund 60 Interviews fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) statt. Für die Studie befragt wurden Menschen mit Sehbehinderungen, Hörbehinderungen, kognitiven Einschränkungen und physischen Behinderungen sowie Senioren (älter als 65 Jahre).

Aus den Ergebnissen:

  • Der Reiseprozess insgesamt und die Berücksichtigung verschiedener Bedürfnisse erhalten von allen Befragten als Gesamturteil lediglich 6,2 von zehn möglichen Punkten. Vor allem die USA (Gesamturteil 5,9) und Indien (6,1) erteilen schlechte Bewertungen, während Europa mit 6,6 ein besseres Urteil abgibt und die DACH-Region mit 6,9 noch einmal etwas günstiger urteilt.
  • Die schlechtesten Urteile mit Blick auf Barrierefreiheit erhielten Bahnhöfe (4,9 von zehn Punkten), die besten Urteile Unterkünfte (6,2). Auch hier zeigen sich regionale Unterschiede: Bahnhöfe kommen vor allem in Indien schlecht weg (4,2), während das Urteil in den USA (5,2), Europa und der DACH-Region (jeweils 5,4) etwas besser ausfällt. Die Unterkünfte liegen überall vorne (DACH-Region 6,6, Europa 6,4, Indien 6,2, USA 6,0).
  • Im deutschsprachigen Raum erhalten Autovermietungen mit 4,6 die mit Abstand schlechteste Note in Sachen Barrierefreiheit, noch hinter den Bahnhöfen (5,4). Außer den Unterkünften liegen Transfers (6,6) und Flugzeuge (6,5) am positiven Ende der Skala.
  • Auf die Frage nach den größten Problemen der vergangenen Reise zeichnete sich in der Region DACH „Fehlende Informationen zur Barrierefreiheit am Ziel“ als Haupt-Schwierigkeit ab (42,1 Prozent), gefolgt zu gleichen Teilen von „Nicht barrierefreie Websites“, „Unpräzise Informationen über Barrierefreiheit am Ziel“ und „Navigation innerhalb von Flughäfen, Bahnhöfen u. a.“ (jeweils 36,8 Prozent).
  • Auch europaweit wurde „Fehlende Informationen zur Barrierefreiheit am Ziel“ als größtes Problem für barrierefreies Reisen genannt (46,5 Prozent) – gefolgt allerdings von „Physische Hindernisse am Zielort“ (39 Prozent; in der DACH-Region kommt dieser Punkt auf 21,1 Prozent). Das größte Problem für Reisende aus den USA und Indien dagegen ist „Fehlender spezialisierter Kundenservice“ (jeweils 54,7 Prozent; in der DACH-Region kommt dieser Punkt auf 22,8 Prozent).
  • Reisen mit dem Flugzeug sind unter den Befragten die insgesamt bevorzugte Art der Beförderung (35,9 Prozent der Befragten), gefolgt von Bahnreisen (25,9 Prozent). In der DACH-Region sieht es umgekehrt aus: Bahnreisen liegen an der Spitze (42,1 Prozent), gefolgt von Flügen (36,8 Prozent).

Die Studie stellt heraus, dass der Wandel zu einer allgemein barrierefreien Reisewelt die Verbesserung vieler Aspekte erfordert. Dazu gehören eine effektivere Kommunikation, die den Zugriff auf relevante Informationen zur Barrierefreiheit vereinfacht, sowie ein flexiblerer Service mit geschulten Mitarbeitern, die auf Kunden mit verschiedenen Einschränkungen zugehen können.

Darüber hinaus würden standardisierte Inhalte und Services die branchenweite Einheitlichkeit fördern und Klarheit darüber sicherstellen, welche Art von Service erwartet werden darf. Gleichzeitig ergeben sich Chancen für stärker personalisierte Reiseprozesse, so dass jedes Reiseangebot auf den Einzelnen und seine spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten werden kann, so die Studie.

Nicht zuletzt empfiehlt die Studie tiefer gehende Zusammenarbeit zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor, um den Erwartungen von Reisenden gerecht zu werden, die Barrierefreiheit brauchen.

„Mehr Barrierefreiheit in der Reisebranche bedeutet mehr Nutzen für alle Kunden“, sagt Alex Luzárraga, Vice President Corporate Strategy bei Amadeus. „Denn es ist von Vorteil für jedermann, wenn wir die Zugangshürden zum Reisen senken, die Reiseangebote individualisieren, die Reiseprozesse mit Technologie noch einfacher gestalten und eine barrierefreiere Infrastruktur schaffen, in der die Kunden in Eigenregie navigieren können.“

Barrierefreiheit gehört zu den Zielen der sozialen Unternehmensverantwortung von Amadeus. Sie ist zudem ein wichtiger Aspekt, der in Umwelt-, Sozial- und Regierungsbewertungen eine Rolle spielt, zum Beispiel dem Dow Jones Sustainability Index.

„In der Reisebranche sind wir der Nachhaltigkeit verpflichtet“, sagt Tomas López Fernebrand, Senior Vice President, General Counsel & Corporate Secretary bei Amadeus. „Tatsächlich sind wir stolz darauf, dass der Dow Jones Sustainability Index unsere weltweite Führungsrolle in unserem Sektor anerkennt. Barrierefreiheit ist zentraler Bestandteil einer nachhaltigen Reisebranche und eine wirksame Möglichkeit, den Zugang zum Reisen zu erweitern. Technologie spielt dabei eine große Rolle als Wegbereiter. Es ist also nötig, sowohl mit Kunden als auch mit dem privaten und dem öffentlichen Sektor zusammenzuarbeiten, um Branchenstandards zu konsolidieren, die sicherstellen, dass barrierefreies Reisen für alle Wirklichkeit wird.“

 

Die Studie „Voyage Of Discovery: Working Towards Inclusive And Accessible Travel For All“ kann hier heruntergeladen werden.

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