Auf in die Flop-Destination!

11.07.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sven Köpke

Amadeus Blog: Eine der Kehrseiten des Reisens ist „Overtourism“. Könnte die Auswertung von Buchungsdaten weiterhelfen? Sven Köpke, Leisure Travel Intelligence Manager bei Amadeus, möchte u.a. Reisebüros Mehrwerte für die Beratung an die Hand geben und könnte sich vorstellen, dass sich so auch Touristenströme umlenken lassen.

Der Appetit auf Reisen kennt weiter keine Grenzen“ – laut aktueller Zahlen der Welttourismusorganisation (UNWTO) ist die Zahl der Touristen zwischen Januar und April 2018 im Vergleich zur Vorjahresperiode weltweit um sechs Prozent gestiegen. Gut für uns! Aber es lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen, denn mit überlaufenen Städten und Stränden werden weder unsere Kunden – die sich u.U. vorher dazu im Reisebüro haben beraten lassen – noch die Einwohner vor Ort glücklich. Wie können wir unsere Reisenden noch glücklicher machen?

Überlaufen bedeutet: Zu viele Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Das verraten uns beispielsweise die anonymisierten Buchungszahlen aus Amadeus Tour Market und den Traveltainment IBEs: Hotel xy in Hurghada ist im August schon sehr gut gebucht, und zwar vorwiegend von Familien. Heißt für das Reisebüro: Seinen Pärchen-Kunden sollten die Reiseberater eher ein anderes Hotel anbieten. Wenn dieses wie die meisten anderen ebenfalls schon stark gebucht ist, könnte das Reisebüro eine andere Reisezeit oder ein anderes Reiseziel vorschlagen.

Ideengeber für alternative Reiseziele

Lassen sich so Reisenden-Ströme verschieben? Indem bei der Reiseberatung weggesteuert wird von überlaufenen und mitunter ja auch teuren Trenddestinationen, weil der Kunde häufig sogar dankbar ist für entsprechende Tipps? Vorhersagen über die künftigen Tourismusströme könnten die Möglichkeit bieten, sich nachhaltig vorzubereiten oder auch Akzente zu setzen, den Reisenden andere Ziele schmackhaft zu machen.

Beispiel Flughäfen: Die Grafik zeigt Tendenzen auf, wie sich die Nachfrage nach bestimmten Reisegebieten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verändert hat. Sind unter den „Flops“ nicht auch attraktive Destinationen dabei? Können wir auf dieser Basis nicht Ideengeber für alternative Reiseziele werden?

Belegungs-Heat-Maps könnten die Beratung aufwerten

Wir bauen unsere Leisure-Travel-Analysen gerade aus und überlegen uns verschiedenste Szenarien. Eine Destinations-Heat-Map mit Belegungen in bestimmten Zeiträumen könnte Reisebüros bei der Beratung helfen: Übersichtlich aufbereitete Informationen, die sie sich nicht mühsam zusammensuchen müssen. Ich könnte mir auch vorstellen, noch tiefer nach den Gründen für Trends zu forschen und der Reisebranche diese mit an die Hand zu geben. Oder „Agent-generated-content“ der Reisebüros zu Destinationen zu ermöglichen: Wenn mehrere Expedienten vernichtendes Feedback zu einem Reiseziel geben, etwa weil es überlaufen, teuer, laut, verschmutzt ist oder Einheimische eindeutig das Nachsehen haben, gibt’s keinen Smiley. Auch die Integration der Trusted Reviews von Traveltainment wäre denkbar. – Geben Sie mir im Kommentarfeld dieses Posts gerne Ihre Ideen, wie wir den Datenschatz der Buchungsanfragen, Buchungen oder sonstiger Daten auch in Richtung Beratungsunterstützung und nachhaltigen Reisens nutzen könnten!

Nachhaltig glücklich verreisen

Zum Wegsteuern von Hotspots werden heute schon verschiedene Hebel in Gang gesetzt, oder zumindest sind Diskussionen in Gange: Saisonverlängernde Angebote und das Entzerren von Ferienzeiten etwa, oder wie Berlin es schon zeigt: Gäste werden in alternative Ecken der Stadt geführt, kommunikativ unterstützt von der App „Go local“. Dazu können auch Bewegungsdaten einer Region ausgewertet werden, anonymisiert versteht sich. Solche Ansätze wurden beispielsweise vom Deutschlandfunk in der Sendung „Lebenszeit: Die Schattenseiten des Reisens“ auf der diesjährigen ITB diskutiert.

Dort wurde auch die Marketing-Maschinerie kritisch beleuchtet, die ungebremst weiterläuft. Nirgendwo-Günstiger-Garantien vermitteln Schnäppchen-Kauf-Laune, wir reisen in kürzester Zeit immer weiter und immer günstiger. Wenn reisen denn glücklich macht, dann wäre nachhaltig glücklich im doppelten Sinne eben die glücklichste Option. Warum nicht auch in eine vermeintliche Flop-Destination!

 

Lesetipp: Volltreffer dank Datenschatz (Top-Story des Amadeus Magazins 3/18)

Über den Autor

Sven Köpke ist seit Anfang 2017 verantwortlicher Manager für Leisure Travel Intelligence bei Amadeus Germany und betrachtet mit seinem Team „Unmengen“ relevanter Zahlen und Fakten aus allen möglichen Blickwinkeln. Er…
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