Auf dem Weg zur neuen Integration

28.02.2018  /  4 Minuten Lesezeit

Die Amadeus Travel Platform wird den immer vielfältiger werdenden Content vernetzen. Auch Reisebüros stehen dann noch mehr Angebote aus unterschiedlichen Quellen zur Verfügung.

Am 16. Oktober 2012 eröffnete der internationale Verband der Fluggesellschaften, die IATA, in Abu Dhabi das World Passenger Symposium. Tony Tyler, damals Generaldirektor und CEO des Verbands, stellte seine Gedanken zur Zukunft des Flugvertriebs vor. „Die Online-Wirtschaft hat die Interaktion zwischen Verkäufern und Verbrauchern fundamental verändert“, sagte er. „Verbraucher erwarten, dass sie erkannt werden, wenn sie online einkaufen. Und sie sind es gewöhnt, maßgeschneiderte Angebote zu erhalten, die auf ihrem bisherigen Einkaufsverhalten basieren.“

Rich Content als neuer Maßstab

Tyler wandte sich gegen die jahrzehntelange Gewohnheit der Airlines, Flüge vor allem über den Preis zu verkaufen und ausschließlich in Buchungsklassen zu denken. Damit sprach er auch die Globalen Vertriebssysteme an, die ja auf Wunsch der Airlines genau darauf ausgelegt sind. Für die Individualisierung der Angebote und eine umfangreichere Darstellung ihrer Attraktivität (Rich Content) forderte Tyler eine neue Vertriebsfähigkeit, auf Englisch: eine New Distribution Capability. So kam das Wort NDC in die Welt.

NDC wird daher als Nachfolger für den bis dato unzureichenden Datenstandard EDIFACT aufgebaut. Mit Hochdruck, aber trotzdem ist NDC noch immer ein großes Stück von einer Marktdurchdringung entfernt. Immerhin: Im Oktober 2017 zählte man 41 NDC-zertifizierte Fluggesellschaften und 49 IT-Anbieter; Amadeus ist seit 2013 an Bord. Bis zum Jahr 2020 sollen alle Teilnehmer der Reise-Wertschöpfungskette integriert sein, 100 Prozent NDC plant die IATA für 2025.

Viel Aufwand für neuen Standard

So viel Aufwand und so ein langer Atem für einen neuen Standard? Ja – denn wer am Ende individualisierte, reich bebilderte Angebote ausgeben möchte, muss bereits bei der Produktion ansetzen. Und genau das sieht das IATA-Modell vor:

› Bisher finden Tarife, Flugpläne und Verfügbarkeiten auf verschiedenen Wegen aus den Airline- Systemen in die GDS wie Amadeus. Erst hier, im Rechner des Vertriebssystems, werden die Einzelteile zum Flugprodukt verknüpft – wie es seit Jahren bekannt ist.

› Künftig soll ein „Airline Offer & Order Management System“ die Angebote schon innerhalb der Airline-Systeme fertig verknüpft produzieren. Auf diese Weise können die von den Airlines gespeicherten Kundendaten dazu genutzt werden, die Angebote zu individualisieren. Über eine NDC-Schnittstelle werden sie an die Vertriebssysteme ausgeliefert.

Drei Level der Zertifizierung

Erstes Projekt von Amadeus Airline IT (Amadeus Altéa) war im Jahr 2014 der Vertrieb der Economy-Plus-Sitze von United Airlines über eine NDC-XML-Schnittstelle – damals die branchenweit erste NDC-XML-Lösung für den Vertriebskanal Reisebüro in Nordamerika.

Inzwischen besitzt Amadeus Airline IT alle drei Level der NDC-Zertifizierung: Level 1 zur Darstellung von Zusatzangeboten, Level 2 für die Schaffung von Flugangeboten (Airline Offer Management) und Level 3 für Buchungen, Zahlungen und Ticketausstellung (Airline Order Management). Die neue Lösung Amadeus Altéa NDC ist bereits in der Lage, für NDC-zertifizierte Airlines NDC-Angebote fix und fertig zu produzieren, einschließlich Zusatzleistungen und Fare Families. Als Aggregator, der Buchungsinhalte aus verschiedenen Quellen gesammelt zur Verfügung stellt, hat Amadeus seit Oktober 2017 das Level-1-Zertifikat. Level 3 wird 2018 umgesetzt.

Mit NDC verändert sich die Rolle von Amadeus. Sobald das NDC-Konzept fertig ausgerollt ist, können Fluggesellschaften alle ihre Angebote umfangreich bebildert, individualisiert und auf die aktuelle Wettbewerbslage abgestimmt über NDC- Schnittstellen in die Welt schicken. Die Verknüpfungsintelligenz der GDS verliert an Bedeutung, sie sollen stärker als bisher ein Kanal zum Durchreichen werden.

Neu: die Amadeus Travel Platform

Der Vertrieb aber braucht mehr als NDC-Schnittstellen, die ja im Grunde genommen nichts anderes als weitere Anschlüsse sind, deren Inhalte analysiert, aufbereitet und vergleichbar gemacht werden müssen. Daher entwickelt Amadeus derzeit die Amadeus Travel Platform. Sie wird alle relevanten Buchungsinhalte aus allen verfügbaren Quellen vereinen. Außer Angeboten, die über NDC-Schnittstellen transportiert werden, sind das GDS-Angebote (die es auch nach 2025 geben wird), direkte Airline-Schnittstellen und sonstige Quellen für Content außerhalb des GDS-Vertriebs. „Gegenwärtig ist die Branche dabei, Buchungscontent zu fragmentieren“, sagt Decius Valmorbida, Senior Vice President Travel Channels bei Amadeus. „Daher liegt ein Wert darin, das alles wieder an einem Ort zusammenzuführen. Alle Strategien, die auf der Fragmentierung von Content basieren, stärken die Rolle der Reisebüros.“ Dabei wird die Plattform die verschiedenen Modelle abbilden können, mit denen die Fluggesellschaſten ihren Content differenzieren.

 

Neue Lösungen für Reisebüros

Auch auf der Seite des Vertriebs wird die neue Plattform eine Vielzahl von Anschlüssen oder „Schaufenstern“ zulassen. Die Amadeus Selling Platform Connect zum Beispiel ist bereits auf das Andocken an die Travel Platform ausgelegt. Dazu kommen mobile Anwendungen, Geschäftsreise-Buchungslösungen, Web-Services, Bots und andere Kanäle. Die Intelligenz der Plattform wird darin bestehen, die relevanten Angebote in die passenden Kanäle zu übermitteln, sie buchbar, abrechenbar, umbuchbar und stornierbar zu machen.

Das ist die Vision der Amadeus Travel Platform. Es gibt sie noch nicht, aber sie wird entwickelt, und in ihr liegt die Zukunft des Aggregators Amadeus. „Ein spannender Weg liegt vor uns“, fasst Uta Martens, Geschäftsführerin von Amadeus Germany, zusammen. „Wieder haben wir alle Möglichkeiten, die Zukunft des Vertriebs von Flugleistungen zu gestalten.“

Schreiben Sie einen Kommentar