Auf dem Weg in die Zukunft

14.06.2019  /  4 Minuten Lesezeit

Das letzte gedruckte Amadeus Magazin ist erschienen und wir ziehen daher einmal Bilanz: Wo kommt Amadeus her, wo steht das Unternehmen heute, wohin geht die Reise?

Die Gründung der Amadeus IT Group im Jahr 1987 war eines der großen europäischen Projekte. Mit der Zentrale in Madrid, dem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Nizza und dem Rechenzentrum in Erding liegen die Hauptstandorte des Konzerns in drei Kernländern des damaligen Westeuropa. Ja, Amadeus war eine Reaktion auf ähnliche Gründungen in den USA – aber als transkontinentales Projekt und als Tochter mehrerer konkurrierender Fluggesellschaften eine Revolution.

40 Jahre START

Das gilt auch für das im Juni 1979, also vor genau 40 Jahren, in den Betrieb gegangene deutsche Projekt START, das Amadeus 2003 vollständig übernahm und das in Amadeus Tour Market noch immer sehr lebendig ist. Sowohl Amadeus Air, also das Flug-GDS, als auch Amadeus Tour Market, das in den deutschsprachigen Märkten heimische touristische GDS, erschlossen dem Reisevertrieb ganz neue Welten und haben die Art und Weise, wie Flüge und Veranstalterreisen gebucht werden, komplett verändert. „Der effiziente Umgang mit Informationen“, sagte Holger Taubmann, damals Geschäftsführer von Amadeus Germany, 2005 in einem Interview, „war einer der Faktoren, die den Massentourismus erst möglich gemacht haben.“ Mit der Entwicklung des Tourismus zur Marktmacht stiegen die technologischen Anforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Amadeus folgte diesen Anforderungen. Aus dem globalen Vertriebssystem ist über mehr als 30 Jahre hinweg ein breit aufgestellter und hochspezialisierter Konzern geworden.

Wo überall steckt heute Amadeus drin?

› Fluggesellschaften
Es lag nahe, das Gegenstück zum GDS auf Airline-Seite zu bauen – so entstand das Airline-System Amadeus Altéa. Zu den Modulen Reservation, Inventory und Departure Control kamen über die Jahre viele weitere Tools. Das auf Low Cost Carrier spezialisierte System Navitaire New Skies gehört seit Januar 2016 zu Amadeus.

› Flughäfen
Amadeus Altéa Departure Control war bereits eng mit den Prozessen der Airports verknüpft. Die Fortentwicklung zu einem eigenen Portfolio war der logische nächste Schritt. Durch konsequente Entwicklung sowie Zukäufe zum Beispiel von Optym (Airline-Netzplanung, 2016) und ICM (Automatisierung von Passagierprozessen, 2019) entstand das heutige Angebot von Amadeus Airport IT.

› Hotels
Im Hotelgeschäft ist Amadeus seit vielen Jahren unterwegs – zum Beispiel mit Property-Management-Systemen (Zukauf des Anbieters Itesso, 2015) und Gästemanagement-Software (Übernahme von TravelClick, 2018). Gemeinsam mit InterContinental arbeitet Amadeus an einer neuen Buchungsoberfläche.

› Bahnen
Amadeus stattet auch Bahnen mit Software aus. So können Kunden der Deutschen Bahn über eine im Herbst 2018 freigeschaltete Buchungsmaschine Fahrscheine und Platzreservierungen für internationale Verbindungen auf bahn.de und über den DB Navigator buchen.

› Zielgebiete
Amadeus Destination Insight analysiert Milliarden aktueller Flug-Transaktionen fast in Echtzeit. Das erlaubt Fremdenverkehrsämtern Auswertungen zu Suchanfragen und Buchungen, um Kampagnen effektiver zu gestalten und anzupassen. Und Travel Audience bietet dazu zielgerichtete Online-Werbung.

› Reiseveranstalter
Amadeus Dynamic Packaging, gestartet 2004, „hat die Branche so nachhaltig verändert wie keine andere Innovation in den vergangenen Jahren“, begründete der Travel Industry Club 2012 den „Special Innovation Award“: Sogenannte X-Veranstalter produzieren konkrete Angebote erst im Moment der Anfrage, was aktuellere Preise und auch sämtliche Reisedauern ermöglicht.

Strategische Akquisitionen

Gleichzeitig passt Amadeus seine Struktur stetig dem Portfolio an, das sowohl durch Eigenentwicklungen wächst als auch durch gezielte strategische Akquisitionen. 2018 zum Beispiel, nach dem Erwerb von TravelClick, wurde Amadeus Hospitality zum eigenen Geschäftsbereich erhoben. „Unsere Bemühungen um Diversifizierung, darunter auch der Ausbau unseres Hospitality-Angebots, haben unser Wachstum zusätzlich unterstützt“, bilanzierte Chief Executive Officer Luis Maroto.

Eine komfortable Situation also – allerdings kein Grund, es sich darin bequem zu machen. Denn so erfolgreich sich Amadeus positioniert, so groß sind die Herausforderungen. Die neuen Veränderungen sind geprägt von Individualisierung, flexiblen und mobilen Prozessen, dem neuen Datenstandard NDC und unterschiedlichen Geschäftsmodellen für vergleichbare Leistungen.

Live Travel Space als Marktplatz der Zukunft

„Anbieter und Vertrieb diskutieren derzeit, wie Angebotsproduktion, Vertriebs- und Geschäftsmodelle sowie die gezielte Ansprache der Reisenden in Zukunft aussehen könnten“, sagt Uta Martens, Geschäftsführerin von Amadeus in Bad Homburg. „Es ist unsere Aufgabe, das technologische Fundament für jegliche Variante bereitzustellen. Gut möglich, dass diese Phase in 30 oder 40 Jahren genauso revolutionär erscheint, wie sich uns heute die Gründung von START und Amadeus darstellt.“

Topthema Individualisierung

So spielt in allen Produkten, von Amadeus Altéa bis zur Amadeus Leisure IBE, die Individualisierung von Reiseangeboten eine große Rolle. Die Verknüpfung der Offerten aller Anbieter, Formate und Kanäle auf einer Plattform, einschließlich NDC, ist das große Ziel der Amadeus Travel Platform. Und das Schlagwort Live Travel Space zeigt, dass der Vertrieb über Amadeus mehr ist als das klassische GDS, nämlich die Zusammenführung unterschiedlichster Angebote mit unterschiedlichsten Abnehmern in Echtzeit. Und zwar technologisch in der Cloud.

Neue Chancen durch Innovationen

„Amadeus hat sich zum Ziel gesetzt, alle Wertschöpfungsstufen der Reisebranche mit Technologie auszustatten – und durch Innovationen neue Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen“, sagt Monika Wiederhold, Executive Vice President Airlines für Zentral- und Osteuropa bei Amadeus und Vorsitzende der Geschäftsführung am Standort Bad Homburg. „Das bedeutet, dass alle Beteiligten über Amadeus alle Bestandteile und Prozesse einer Reise auf technologisch höchstem Niveau abbilden können. Wir sehen uns als führender Reisetechnologie-Konzern auf einem guten Weg in die Zukunft.“

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