Arthur Schopenhauer und die furchtlosen Vordenker der Reisebranche

18.06.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Im Jahr 2000 befanden sich für meine Wanderreise nach Madeira noch Reisebegleiter im Rucksack, die heute alle nicht mehr notwendig sind.

Der Wecker, die Taschenlampe (für die natürlichen Tunnel auf den Wanderwegen), eine Armbanduhr, der Walkman etc. – all das ist im Smartphone vereint. 2030, so sagt der zweite Teil der Studie Future Traveller Tribes 2030 voraus, brauche ich gar keinen Koffer mehr, denn ein Serviceangebot meiner Fluggesellschaft könnte sein, dass meine Kleidung mittels 3-D-Drucker im Hotelzimmer ausgedruckt wird. Charmant oder skurril – was meinen Sie?

Prinzipiell gilt frei nach Arthur Schopenhauer: Was der Mensch sich vorstellen kann, wird möglich sein – die Welt als Wille und Vorstellung. So gesehen, wird die Reiseanbieter-Vermarktungswelt in Zukunft um vieles größer als bisher – weg vom puren Produktverkauf, hin zu einem echten Reisebegleiter und Erlebnisprodukt für die Kunden. Anhand des Reiseprozesses können die Reiseanbieter sich ihre Kunden und deren Bedürfnisse konkret vorstellen und entscheiden, ob und wenn ja, wie sie diese erfüllen können. Hierin liegt der wahre Reiz der Studie Future Traveller Tribes 2030, Teil 2: Sie regt dazu an, anhand von sechs klar beschriebenen Reisetypen (vom Selbstdarsteller im Netz bis zum Kulturpuristen) die Serviceangebote weiterzuspinnen, gerne auch furchtlos auf die Spitze zu treiben, um sie dann mit den neuen Endgeräten und Kommunikationsarten zu matchen.

Weiterdenken leicht gemacht

Heraus kommen spannende Ansätze wie zum Beispiel die Unterscheidung von Informationskanal und Inspirationskanal – respektive die Smartwatch für die Bordkarte und die Augmented-Reality-Brille für die Reiseplanung. Mittels AR-Brille werden wir uns auch nach der Reise immer wieder tolle Reiseerlebnisse in den Alltag holen.

Oder die Anforderungen an digitale Programme und Zugänge: Wenn die Selbstdarsteller im Netz ihre Reiseerlebnisse im Live-Streaming mit ihrer Gemeinde teilen wollen, so darf die Zeit im Flugzeug oder der Hotelsuite doch nicht fehlen. Das Alter und der Geldbeutel der Reisetypen spielt dabei kaum noch eine Rolle; es geht um Bedürfnisse, Werte, Lebensformen.

Datensammeln ausdrücklich erwünscht

Nun sind wir in Europa ja eher die Bedenkenträger was Datenpreisgabe und -sicherheit anbelangt und viele glauben nicht, dass die Menschen in Zukunft ihre persönlichen Daten rausrücken werden und sich den Anbietern zu erkennen geben. Wir bei Amadeus zeigen in der Studie das Gegenteil auf: Fünf der sechs Reisetypen sind gerne bereit, persönliche Daten zu offenbaren, wenn sie davon einen direkten Nutzen haben und dem Anbieter vertrauen. Deshalb werden in Zukunft Reiseanbieter die Nase vorn haben, die Kundendaten akribisch sammeln und auswerten. Dann ist es nur noch ein Schritt zur Personifizierung bei der auch noch Daten aus sozialen Netzwerken hinzugezogen werden. Amadeus arbeitet ganz konkret an einer Lösung.

Und auch die Kulturpuristen, die sich maximal gegen das Sammeln ihrer persönlichen Daten zu sträuben scheinen und auch im Jahr 2030 am liebsten ganz autark ihre Reise planen, zeigen sich offen für neue Reiseformen: Kulturpuristen begeistern sich für Sharing-Economy-Plattformen, da sie sich von diesen authentische Erlebnisse versprechen. Selbst Dienste als Stadtführer anbieten oder die Wohnung mit Gästen aus aller Welt teilen, gefällt diesem Reisetyp gut. Somit wird auch der Kulturpurist seine Datenspuren im Netz hinterlassen und für Reiseanbieter erreichbar sein.

Ich gebe ja zu, dass mir Roboter als Rasenmäher oder Staubsauger nicht geheuer sind und ich mich in einem Hotel mit echten Mitarbeitern wohler fühle als mit Check-in-Service-Robotern. Aber: Wir als IT-Unternehmen werden die Entwicklung der Reisebranche mitgestalten und kräftig Innovationen auf den Markt bringen, die unsere Kunden befähigen, im Reisebetrieb von morgen richtig mitzuspielen.

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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