Analog trifft auf Digital

14.04.2016  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus Ennen

Amadeus Blog: Stellen Sie sich vor, Sie kommen Montagmorgen ins Büro, und Ihr Schreibtisch ist leer. Kein Computer, kein Tablet und auch kein Firmenhandy. Überhaupt kein Handy. Stattdessen liegen da Block und Stift oder es steht vielleicht eine Schreibmaschine auf Ihrem Platz. Könnten Sie so arbeiten?

Die Antwort lautet für viele Büromitarbeiter ganz klar: Nein! Fakt ist, dass nur noch wenige Aufgaben überhaupt unabhängig von E-Mail und Internet erledigt werden können. Für wie absurd Sie diese Situation allerdings persönlich halten, hängt wohl von Ihrem Alter ab, denn nur, weil der PC-Arbeitsplatz heutzutage für die meisten unverzichtbar ist, heißt das nicht, dass sich viele Kollegen nicht mehr an eine andere Zeit erinnern können – an eine Zeit vor dem PC.

Auch ich gehöre zu diesen Menschen und damit gleichzeitig zu einer vom Aussterben bedrohten Art: den Analog Natives oder Digital Immigrants. Bevor ich Ihnen jetzt eine lupenreine Definition des Begriffs liefere, machen Sie doch einfach den Selbsttest, indem Sie diese drei Fragen beantworten:

  • Sie rufen lieber schnell an, statt eine E-Mail oder in einen Messenger zu tippen?
  • Im Bus oder Zug schauen Sie aus dem Fenster statt auf Ihr Handy?
  • Vor einer Verabredung mit einer unbekannten Person suchen Sie sie nicht in den Sozialen Medien?

Wenn Sie alle Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, dann sind Sie vermutlich vor 1980 geboren und nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen. Sie zählen dann, wie ich, zu denen, die den Umgang mit modernen Technologien erst erlernen mussten. Ein Tag im natürlichen Lebensraum der Digital Natives beginnt mit einem schnellen Nachrichten-Überblick via Smartphone, einem kurzen E-Mail-Check und dann wird bis zum Schlafengehen gebloggt, getweetet und auf zahlreichen sozialen Plattformen gesurft.

Die sogenannten digitalen Bewohner sind zwischen 1980 und 1997 geboren und wurden im Netz sozialisiert, sodass sie zwischen Offline und Online gar nicht mehr unterscheiden. Schon bald, im Jahr 2025, werden sie in der Überzahl sein und  das Steuer übernehmen. Ihr Lebensstil ist unter anderem geprägt durch dauerhafte Erreichbarkeit, die eine Entgrenzung von Privat- und Berufsleben mit sich bringt, und der Gewohnheit, Dinge sofort zu bekommen. Digital Natives ticken im Sekundentakt, ein Klick muss genügen, um die gewünschte Information oder das Produkt zu erhalten.

Ihr Verhalten hat bereits massive Auswirkungen auf verschiedenste Bereiche des Lebens, ein wichtiger davon ist der Tourismus. Neue Geschäftsmodelle sind die Früchte der Digitalisierung, Unternehmen wie Airbnb oder Uber haben in kürzester Zeit den alten Platzhirschen Marktanteile weggenommen, und dazu brauchten sie noch nicht mal eigene Immobilien oder Fahrzeuge. Eine einzige App kann heute ganze Branchen vor die Existenzfrage stellen.

In dieser Phase des Wandels werden wir digitalen Einwanderer oft als die begriffsstutzigen Stehengebliebenen dargestellt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für uns brechen. In einem Beitrag der Onlinezeitung Huffington Post brachte der amerikanische Innovationsexperte Jeff DeGraff unser Wesen treffend auf den Punkt: „Wir sind in einer leistungsorientierten Kultur groß geworden, weshalb wir auch heute noch viel zielorientierter und vorausschauender arbeiten als unser digitaler Nachwuchs. Darüber hinaus hat unsere Generation die Technologien erfunden und entwickelt, die heute für die Digital Natives nicht mehr wegzudenken sind.“

Paradox, aber wahr. Wir haben den Grundstein gelegt, und jetzt müssen wir unser Leben neu leben lernen. Aber das heißt natürlich nicht, dass ich mich deshalb stur in mein analoges Sein verkrieche und an alten Werten festhalte.

Ich sehe das eher so: Ohne die Analog Natives gäbe es keine Digital Natives, und ohne die Digital Natives könnten sich die Analog Natives heute kaum noch zurechtfinden. Klingt doch nach einer perfekten Symbiose, oder?

Sie finden das Thema auch so spannend wie ich? Dann bleiben Sie dran! In meinem nächsten Blogbeitrag erfahren Sie, warum Digital Natives jetzt besonders wichtig für uns werden.

Über den Autor

Klaus Ennen verantwortet den Bereich Marketing Kommunikation bei Amadeus DACH & Traveltainment. Er jongliert täglich virtuos Informationen zwischen Presse, Amadeus Magazin und Newsletter, Webseite, Community, Blog und weiteren Social Media…
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