Alle Kraft dem Team

26.11.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Gergena Noncheva-Vassilyeva

Amadeus Blog: Gergana Noncheva-Vassilyeva, Software-Entwicklerin bei Amadeus Germany, Organisatorin, Psychologin, Diplomatin, Coach – Scrum Master eben! Das zweite Interview zu den Rollen in der agilen Software-Entwicklung widmet sich dem Scrum Master. Einen übergreifenden Artikel zum Thema inklusive Tipps für die eigene Arbeit finden Sie hier im aktuellen Amadeus Magazin.

Wie bist du Scrum Master geworden?

Ich war 2009 zunächst Entwicklerin im agilen Mid-Office-Team. 2011 habe ich für die Amadeus Social Media Suite mit Kollegen in Indien, Polen und Bad Homburg zusammengearbeitet und bin dann als Scrum Master eingestiegen. Den Scrum-Master-Lehrgang habe ich 2013 durchlaufen. Relativ spät, könnte man meinen, aber das war genau passend für mich. Denn so bin ich hineingewachsen, kannte die Knackpunkte und hatte ein ganz anderes Augenmerk auf die einzelnen Punkte. „Der Certified Scrum Master ist nur ein Führerschein, Autofahren sollte man schon können“, heißt es so passend. Das bedeutet: Man lernt ständig dazu, mit unterschiedlichen Teams, neuen Problemen, im ständigen Austausch mit anderen Scrum Mastern und agilen User-Gruppen, die sich beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet regelmäßig treffen.

 

Wie sehen deine Aufgaben in der Praxis aus?

Wir bilden Teams, die ich coache. Ich helfe diesen Teams, Probleme zu erkennen und zu lösen. Ich moderiere Events, gestalte und führe durch Prozesse. Das bedeutet, ich sorge nicht für die Inhalte, aber ich unterstütze das Team und den Product Owner. Dazu gehört auch jede Menge „Psychologie“. Ich bin keine Vorgesetzte, sondern ich motiviere, statt vorzugeben, was zu tun ist; im Scrum spricht man daher auch vom „serving leader“. Ich beeinflusse das Umfeld, damit das Team ungestört im Scrum leben kann. Das erfordert auch Diplomatie – und Begeisterung! Ich glaube selbst fest daran, dass wir eine gute Arbeitsweise einsetzen. Wenn Kollegen unzufrieden sind, möchte ich verstehen, warum, und ich vermittle auch zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Ich initiiere teambildende Maßnahmen, rede mitunter informell mit den Leuten, wir gehen nach Feierabend auch schon mal in den Biergarten und auf alle Fälle gemeinsam zum Mittagessen. Wichtig ist, dass Vorschläge von den Teammitgliedern selbst kommen und dass die agilen Strukturen konsequent aufgesetzt werden. Dann läuft der ganze Prozess einfach leichter.

 

Wie geht es dir in deiner Rolle?

Ich bin, wie gesagt, einfach begeistert vom Scrum. Dabei spielt auch eine ganz persönliche Erfahrung eine Rolle: In einem vorherigen Team waren ein Kollege und ich wirklich wie Hund und Katz. Im Scrum haben wir gelernt, miteinander umzugehen, und irgendwann konnten wir uns aufeinander verlassen. Das hat mich angespornt, Scrum Master zu werden. Meine höchste Belohnung ist, wenn das Team zufrieden ist. Wenn sich die Teilnehmer konstruktiv austauschen. Allerdings ist der Job auch sehr kraftraubend. Ich stehe ja quasi permanent auf der Bühne, muss ständig dabei sein und mit dem Team arbeiten. Das macht Spaß, aber es saugt einen auch ganz schön aus, und man kann nicht ein Event nach dem anderen moderieren.

 

Welche Hindernisse waren und sind zu überwinden?

Die Umstellung von der Abteilungsebene auf die Scrum-Prozesse kostet Kraft. Der Scrum Master muss durch die Organisation unterstützt werden. Ich hatte Gott sei Dank von Anfang an Vorgesetzte, die mir vertrauensvollen Rückhalt gegeben haben. Für manche Leute ist der Wechsel, die Veränderung am Anfang schwierig, und auch bei der Zusammenarbeit mit den Kunden fehlt zunächst noch die Erfahrung. Offenheit fördert hier das Zusammenwachsen.

 

Welche Kernwerte der Methodik sind dir besonders wichtig?

Die Veränderungsfähigkeit ist Voraussetzung, und die gegenseitige Motivation im Team führt dazu, dass in der Regel alle zufrieden sind – in der „agilen heilen Welt“ sozusagen. Wer gerne zur Arbeit kommt und gerne mit den Kollegen zusammenarbeitet, liefert – im Teamwork – auch bessere Arbeitsergebnisse.

 

Auf welche Bereiche lassen sich Bausteine des agilen Prinzips deiner Meinung noch übertragen?

Wenn es ein Problem gibt, kann man in jedem Bereich andere nach einem Vorschlag fragen – man ist immer wieder erstaunt, dass die Leute häufig schon Lösungen im Kopf haben! Und experimentieren: Wer Experimentieren zulässt, traut sich mehr. Perfektionismus? Bitte ablegen, das lähmt ansonsten. Und: Das ganze Leben ist eine Priorisierung. Bevor man zehn Dinge gleichzeitig (schlecht) macht, lieber erst mal eine gut zu Ende führen. Ich setze das jetzt durchaus auch im Privatleben ein: Samstags entscheide ich gemeinsam mit meinem Mann, was wir am Wochenende angehen. Dann wird das Haus eben mal nicht geputzt, ehe ich mich verzettele. Und das akzeptiert dann auch jeder, weil wir uns bewusst dafür entschieden haben – Wegpriorisieren ist ausdrücklich erlaubt!

 

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Über den Autor

Gergana Noncheva-Vassilyeva, gebürtige Bulgarin, ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist seit zehn Jahre Software-Entwicklerin bei Amadeus Germany. 2010 machte sie ihre erste Bekanntschaft mit dem Scrum-Modus und ist seit…
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