365.165 Euro

22.09.2017  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Dr. Oliver Rengelshausen

Amadeus Blog: Auf diese Summe schätzte die deutsche Bundesregierung zu Beginn dieses Jahres im „Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften“ den Umstellungsaufwand für das Erstellen und Vorhalten von Formularen für die Erfüllung der EU-Pauschalreiserichtlinien.

Seit ungefähr dieser Zeit beschäftigen sich auch Amadeus und Traveltainment intensiv mit den europäischen Vorgaben und dem, was am 7. Juli endgültig verabschiedet wurde und knapp zwölf Monate später in Kraft treten wird. Die verantwortlichen Kollegen haben sich tief in die Gesetzestexte eingegraben und – unter anderem zusammen mit anderen Experten im Arbeitsausschuss des DRV – intensiv diskutiert, was die Vorgaben für den konkreten Alltag von stationären und Online-Reisebüros bedeuten werden.

Der Amadeus Form Wizard kommt

Und natürlich hat dies auch Auswirkungen für unsere Software und Services, für die Schnittstellen zu Veranstaltern, Systemhäusern und Buchungssystemen. Dabei ist es nicht nur mit den „berüchtigten“ Formularen getan, die am Ende des Beratungsprozesses dem Kunden vorgelegt werden müssen. Auch wenn dies wohl zu den sichtbarsten Auswirkungen des geänderten Reiserechts für den Endkunden gehören wird. Amadeus und Traveltainment entwickeln derzeit den Amadeus Form Wizard: Am Ende des Beratungsprozesses wird ein entsprechendes Formblatt erstellt. So wird der Kunden darüber informiert, um welche Art der Reise es sich handelt. Und das Reisebüro wird dabei unterstützt, die Vorgaben einzuhalten.

Darüber hinaus werden wir die entsprechenden Schnittstellen um optionale Informationen erweitern. Beispielsweise um die Möglichkeit, Personendaten an den Veranstalter zu übermitteln. So können Kunden noch vor der Buchung über die Pass- und Visabestimmungen informiert werden. Dies sehen wir als eine weitere Herausforderung bei der Umsetzung der Richtlinie.

Wie berechnet man die Kosten einer Nachweispflicht?

Ob der Aufwand für diese notwendigen Umstellungen im Regierungsposten „Anpassung von Online-Angeboten“ (rund 8,3 Mio. Euro) enthalten sind, vermag ich nicht zu sagen, doch spannend sind die Einschätzungen der Bundesregierung zu den verschiedenen „Erfüllungsaufwänden“ allemal. So werden z.B. rund 36,4 Mio. Euro für Fortbildungs- und Schulungsteilnahmen der Mitarbeiter der „betroffenen Unternehmer“ veranschlagt. Und 20.670 Euro im Jahr soll die Reiseveranstalter eine neue Nachweispflicht kosten. Die vollständige Auflistung und auch die sonstigen Gedanken von Regierung und Fraktionen zu den Gesetzesänderungen ist übrigens im Archiv des Bundestags nachzulesen.

Auch wenn ich nicht weiß, wie die Kostenschätzung für die Umsetzung der Pauschalreiserichtlinie zustande gekommen ist und ich die eine oder andere Zahl gerne diskutieren würde, hat es mich beeindruckt, wie viel Arbeit tatsächlich in solch einem Gesetzentwurf steckt. Und dass die Detailtiefe dann trotzdem aus unserer Sicht leider nicht ausreicht, um den Aufwand, der auf den Vertrieb und die Veranstalter zukommt, realistisch einzuschätzen, steht auf einem anderen Blatt. Aber wer als Politiker sein Amt ernst nimmt, im Namen des Volkes die bestmöglichen Entscheidungen für möglichst viele Menschen zu treffen, hat Respekt verdient – und deshalb werde ich ganz sicher am Sonntag zur Wahl gehen. Sie doch auch, oder?

PS: Sehen Sie hier auch das Interview zur Pauschalreiserichtlinie mit Oliver Rengelshausen vom FVW Kongress 2017

Über den Autor

Dr. Oliver Rengelshausen ist seit Mai 2018 Sales Director Online und für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz im Bereich Travel Channels von Amadeus zuständig. In dieser Funktion verantwortet er…
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