3 Botschaften zu „Future Traveller Tribes“, die so nicht in der Studie stehen

08.06.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Einige der guten Nachrichten der Zukunftsstudie Future Traveller Tribes 2030 für die Reisebranche finden sich zwischen den Zeilen:

1. Die Menschen bleiben Reisende

Die Menschen mutieren in der digitalen, visuellen, augmentierten Welt eben nicht zu Couchpotatoes, die nicht mehr vor die Tür gehen – Generation Chips will auch reisen denn sie beziehen kein virtuelles Zuhause à la Second Life – wie es einige große Tourismuskonzerne noch vor ein paar Jahren prognostizierten und glaubten, sich ebenfalls dort einnisten zu müssen. Nein: Die Menschen lieben das Reisen auch in Zukunft, da sind sich die Trendforscher aus aller Welt mehr als einig.
Aus welchen Motiven heraus sie reisen, ist weder durch ihr Alter noch durch den Geldbeutel bestimmt. Die sechs Reisetypen, die unsere Studie identifiziert, sind altersneutral: Selbstdarsteller im Netz können auch 70-Jährige sein. Manche Leute werden als Kulturpurist geboren. Andere pflegen die ethischen Grundsätze ihrer engagierten Jugend das ganze Leben lang. Belohnung für den anstrengenden Alltag rückt für Reward Hunter (Hedonisten) in den Mittelpunkt des Reisens. Das muss nicht das Luxushotel sein. Wichtig sind die Individualität des Ortes und die Besonderheit des Angebots.

Was die Traveller Tribes eint, ist ihr Anspruch an eine reibungslose Reiseplanung, an guten Service und einzigartige Erlebnisse.

2. Reisende tauschen Daten gegen Service

Und auch das ist eine gute Nachricht der Studie: Die Reisenden sind bereit, mehr als ihre Kontaktdaten über sich preis zu geben – an einen Berater ihres Vertrauens und/oder für ein maßgeschneidertes Produkt. Sowohl touristische Leistungsträger als auch die Reisebüros können sich bei ihren Kunden in Stellung bringen. Ob ein Kunde künftig direkt oder über Vermittler seine Reise plant und bucht, hängt dabei auch von der Erreichbarkeit ab – die muss künftig digital und rund um die Uhr gegeben sein. Ein Reisebüro, das in der Online-Welt klar positioniert ist und die persönliche wie auch die digitale Kundenansprache beherrscht, hat gute Zukunftschancen.
Technologie und menschlicher Service müssen je nach Reisetyp ausbalanciert werden. Hier ist der Mensch auch künftig klar im Vorteil vor den Robotern oder der „Learning Machine“, wobei die Kommunikationsprozesse zwischen Reisedienstleister und Reisenden immer stärker durch Technik gelenkt und vereinfacht werden – Stichwort Artificial Intelligence.

3. Die Pauschalreise lebt – sie verändert sich nur

Und was ist mit den Klassikern der Reisebranche? Hat die Pauschalreise ausgedient? Nein. Die Simplicity Seekers – unsere Schnörkellosen – suchen genau dieses Produkt. Auch Ethical Travellers dürften für vertrauenswürdige Pauschalarrangements mit sauberer Dokumentation der Umweltauswirkungen mehr übrig haben als für Einzelleistungen aus verschiedenen Quellen. Sogar die Obligation Meeters, die einer Pflicht folgen, brauchen eher Pakete als Einzelleistungen.

Kurz: Die Pauschalreise sollte also weiterhin schön individuell verpackt werden.

Wird es noch Gruppenreisen geben? Vielleicht. Sicher ist, dass sich die Menschen bewusster zusammenfinden. Der Personalisierungs- und Individualisierungsgrad von Reiseangeboten macht auch die Teilnehmer transparenter. Weil ein Social-Media-Selbstdarsteller die Kulturpuristen auf die Palme bringt (und umgekehrt), ist es gut möglich, dass sich Reiseveranstalter die Reisemotive ihrer Teilnehmer anschauen und die Gruppen nach Reisetypen zusammenstellen. Auch eine Form der Individualisierung.

Ich jedenfalls mache weiterhin meine Individualreisen mit meiner Familie, Hunden und Pferd – da gibt es sowieso nichts von der Stange. Bemerkenswert ist, dass meine Kinder heute schon mehr im Reisebüro gebucht haben als ich – Trend oder Zufall?

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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