18:0 für den deutschen Reisevertrieb

13.07.2018  /  2 Minuten Lesezeit

Top of the Week: Seit die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist, buchen die Deutschen stärker. Klaus Ennen ist überrascht, wie stark der Ausschlag ausfällt.

Ich gebe zu: Ich bin hin- und hergerissen. Der 27. Juni wird für deutsche Fußballfans noch auf Jahre hinaus ein schwarzer Tag sein. Mein Urlaubsabend am Mittelmeer jedenfalls war gründlich verdorben. Für Reisebüros allerdings erweist sich das Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aus dem WM-Turnier in Russland als Glücksfall – denn die Buchungszahlen gingen deutlich nach oben.

Die Fachzeitschrift „Travel Talk“ hat so etwas bereits vermutet, einzelne Reiseveranstalter haben es angedeutet, und die GfK hat gemessen, dass zumindest bis Ende Juni die Summe der Urlaubsbuchungen sieben Prozent über Vorjahr lag. Die Zahlen von Traveltainment Market Analytics belegen nun deutlich: In der Woche nach dem schwarzen Tag, der Kalenderwoche 27 (2.–8. Juli 2018), schoss die Zahl der Buchungen in Deutschland im Vergleich zur Vorwoche um insgesamt 18 Prozent in die Höhe.

In den Wochen zuvor hatten sich die Deutschen aber keineswegs zurückgehalten – und schon gar nicht einheitlich. Im Online-Vertrieb lagen die Buchungen vom 14. Mai (KW 20, einen Monat vor Turnierbeginn) bis zur Woche vor dem ersten Anpfiff (KW 23) stets deutlich über der Vorwoche. Der stationäre Vertrieb dagegen steckte im Mai kräftig im Minus und erholte sich langsam, je näher das Turnier rückte.

Insgesamt zeigte sich also ein Aufwärtstrend. Und der kam mit der WM zum Stillstand: In der Woche des Auftaktspiels vom 14. Juni (KW 24) flog der Reisevertrieb schon nur noch drei Prozent über Vorwoche, während der Turnierwochen KW 25 und 26 blieb der Reiseverkauf dann mehr oder weniger auf gleichem Niveau (null bis plus ein Prozent). Wohlgemerkt: Die Deutschen haben während der WM sehr wohl gebucht, nur legte der Wachstumstrend, den die GfK gemessen hat und den auch die Zahlen von Traveltainment zeigen, eine Pause ein.

Bis zum Ausscheiden halt. Das vermaledeite 0:2 gegen Südkorea führte ganz offensichtlich zu einem verdienten 18:0 für Reisebüros, quasi aus der Tiefe des Raumes. Die Höhe dieses Sieges überrascht mich. Mich überkam allerdings nach dem Ausscheiden ebenfalls ein Bloß-weg-Gefühl. Dem hätte ich auch nachgegeben – wenn ich halt nicht schon im Urlaub gewesen wäre.

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